~  an eine kleine Gebirgsgruppe und ihre zentrale Hütte

Mit diesem Beitrag wollen wir neugierig machen auf eine Gebirgsgruppe der Alpen ohne den Fokus bekannter und spektakulärer Anstiege auf nahmhafte Gipfel, welche auch Nichtberglerinnen und Nichtbergler zu kennen glauben.

2010 wollte ich mich auf den zweiten Kursteil der Fachübungsleiterausbildung vorbereiten - Schwerpunkt Felsklettern und Klettersteige. Auf der Suche nach einem geeigneten Ziel, stieß ich auf die Lienzer Dolomiten. Klettersteige und unzählige Kletterrouten, von Pläsier bis ungesichert, wild und alpin, versprachen genau den nötigen Zuschnitt für dieses Vorhaben. Das wir mit dieser Wahl auch eine liebevoll geführte Hütte vorfinden würden, war auf der Anreise natürlich noch nicht klar. Die Karlsbader Hütte sollte also unser Basislager für eine ganze Woche werden, und wir hatten es nicht zu bereuen. Ruppert und Edith Tembler schaffen für alle Hüttenbesucher eine heimelige Atmosphäre, die Hütte ist in bestem Zustand mit verschiedenen Zimmergrößen und Lagern. Ein reichliches Frühstücksbufett lässt gut in den Klettertag starten und das Abendbrot versöhnt mit der Mühsal des Bergsteigens. Da man zum Alpinklettern natürlich etwas mehr Gepäck dabei hat, ist die Möglichkeit den Zustieg erheblich, nämlich auf etwa 2 Stunden, zu verkürzen eine angenehme Sache. Mit dem Auto kann man bis zur Lienzer Dolomitenhütte fahren und einen kostenlosen Parkplatz nutzen. Die 8.- € Maut für die bestens hergerichtet Zufahrtsstraße sind gut angelegtes Geld, wenn man bedenkt, welche Heerscharen von Mücken im Bergwald den Aufstieg nicht unbedingt zum Genuss werden lassen. Da man eine solche Menge super eingerichteter Klettersteige und Alpinkletterein unmöglich in einer Woche abarbeiten kann, liegt es also nahe weitere Aufenthalte folgen zu lassen. Auch 2016 hatten wir schöne Stunden im Laserz im Schoß der Lienzer Dolomiten.

Seht selbst was es u.a. zu entdecken gibt:

Nach der Ankunft an der Lienzer Dolomitenhütte (eher ein Gasthof) geht es durch Bergwald relativ eben hin und die ersten Gipfel grüßen.

1 Zustieg Karlsbader Hütte 1

Ganz links die mächtige Laserzwand, Ziel auch unserer Alpinklettereien, in der Mitte der Seekofel und eher rechts Törlspitz und die Gamswiesenspitzen. Die letztgenannten tragen ihren Namen zu Recht, haben sie doch extrem geneigte Rasenschrofenplatten im Gipfelbereich. Für die Gams ein gut geschützter Futterplatz für den Bergsteiger bei Nässe wenig lustig.

Steigt man dann durch immer lichter werdenden Bergwald auf, nimmt einen der Laserzkessel immer mehr in seinen Bann. Festes Kalkgestein verspricht Klettergenuss in allen Schwierigkeitsgraden. Der Kletterführer für die Lienzer - ISBN 978-3-9503142-0-5 - beschreibt alles sehr detailliert, von der 10er Sportkletterroute bis zum Klettersteig. Allerdings sollten wir alpenfernen Bergfexe etwas demütig mit den angegebenen Kletterzeiten planen.

2 Zustieg Karlsbader Hütte 2

Der mittige riesige Block ist einer der drei hervorragend eingerichteten Klettergärten. Auch wir haben das zum Einklettern genutzt.

Die Lage der Karlsbader Hütte verkürzt alle Zustiege auf ein angenehmes Maß und schafft damit die Basis auch für lange Touren. Das Umfeld der Hütte lädt zum Abendspaziergang ein und bietet eine Fülle an Fotomotiven.

3 Karlsbader Hütte 1

Die Sektion Karlsbad hat mit unserer Dresdner Sektion nicht nur ein relativ hohes Alter gemeinsam, sondern sie hat mit heutigem Sitz in Tirschenreuth in der Oberpfalz auch die Wirren des Zweiten Weltkrieges und der Teilung Deutschlands sowie der Nachkriegszeit überlebt.

4 Karlsbader Hütte 2

Die Hütte vor, von links nach rechts, Törlspitz, Kerschbaumer Törl, kleiner und großer Gamswiesenspitze.

5 Karlsbader Hütte Laserzsee

Nach dem Abendbrot kann man bei einem Spaziergang um den Laserzsee die erste Verdauungseinheit der guten Küche absolvieren.

6 Karlsbader Hütte Verpflegung

Für den Nachtisch ist immer noch ein Plätzchen im Kletterenergiegewölbe.

Und nun aber zu den sportlichen Unternehmungen. Ein Muss, selbst für sehr gute Kletterer, sind Egerländer und Bügeleisenkante. Erstere im durchgehend oberen 3er, Zweite mit Schlüsselstelle 4 A0 und vielen eher leichten Seillängen von 2+ bis 3+. Bombenfester Fels in diesen alpinen Genussschwierigkeitsgraden sind eher selten zu finden. Weitere Informationen in besagtem Kletterführer oder auf Anfrage bei mir.

Der Einstieg in die Egerländer:

13 Egerländer einstieg

Für dieses Jahr hatten wir uns als erstes für die Egerländer entschieden. Ein stabiler Tag ohne Gewitter sollte es für 20 Seillängen schon sein. Erwischte uns doch 2010 am Wandbuch ein kurzes Wärmegewitter, welches eigentlich vom Wetterbericht unbeeindruckt, gar nicht stattfinden sollte.

Eingebunden und es kann losgehen.

14 Egerländer es geht los

Die ersten Seillängen sind unschwierig und leicht zu finden:

15 Egerländer Verlauf 1

Mit zunehmender Höhe wird es dann steiler und ausgesetzter.

16 Egerländer Pfeiler 3

Auf diesem Pfeilerchen findet man einen idealen Stand und kann sich mal bewusst machen, wo man sich befindet. Wilde Bergnatur kommt uns hier besonders nah.

17 Egerländer Verlauf 4

Hier kann man sich mal die Frage stellen, wo es eigentlich weiter geht. Die Absicherung mit einigen wenigen Bohrhaken und das sehr gute Topo laminiert und unter dem Kletterpullover verstaut, liesen aber niemals Zweifel über den Routenverlauf aufkommen.

18 Egerländer Verlauf 5

So langsam kommt das Ende in Sicht und die Kletterschuhe zwicken ordentlich. Wer mag kann das auch in Stiefeln klettern. Man sollte sich dann aber im Klaren darüber sein, dass man den Grad 3+ über sehr lange Abschnitte sicher so vorsteigen können muss. Ich habe mich für bequeme Kletterschuhe entschieden, was natürlich auch den Klettergenuss und die Antrittsicherheit erhöht.

19 Egerländer von oben

 Ein Blick zurück an den Einstieg lässt die gekletterten Höhenmeter erahnen.

20 Egerländer Ausstieg Laserzsattel

Die Ausstiegsseillänge endet im Laserzsattel in Gehgelände. Die letzten 1er Stellen haben wir dann auch in Bergstiefeln zurückgelegt. Man kehrt so langsam von der Vertikalen und die Horizontale zurück und genießt das Geschaffte.

21 Laserzwände

Die ganzen Klettereien gehen durch diese Wandfluchten. Urgestein Alfred Thenius sei Dank kann man das heute ohne Sucherei genießen.

Da der Wettergott mitspielen sollte, haben wir dann am Folgetag die Bügeleisenkante wiederholt. Waren wir doch neugierig auf die Sanierung und ob wir beim zweiten Versuch schneller durchkommen. Letzteres war ein Trugschluss. Auch eine Wiederholung will eben geklettert sein - zumal nach 6 Jahren das Hirn doch wohl nicht alle Wendungen einer 12 bis 16 Seillängentour behält.

Die Bügeleisenkante:

8 Bügeleisenkante Route 1

Schlüsselstelle 4 A0 ist der Links-Rechts-Knick -  ein immer etwas feuchter, leicht überhängender Quergang durch eine flache Höhlung.

9 Bügeleisenkante 2

2010 überraschte uns ein kurzes Wärmegewitter, welches uns mit diesem Regenbogen verabschiedete.

10 Bügeleisenkante4

Geklettert wird zunächst auch in Wandfluchten in einer fantastischen Schlucht ehe die Kante zur "Kante", zum Grat wird.

11 Bügeleisenkante

In Steilstellen muss man dann auch mal richtig zufassen, bevor die Gratkletterei dann eher einfach wird.

12 Bügeleisenkante Ausstieg Laserzsattel

Am Ausstieg kann man dann noch ein bisschen in der Sonne rumlümmeln und die Aussicht in die hohen Tauern und ins Isseltal genießen. Das passende Foto entstand allerdings erst Abends an der Hütte.

7 Iseltal Hohe Tauern

Was tut man sonst noch. Eine Vielzahl von Klettersteigen sind gut gesichert und in logische Felslinien gebaut. Aber seht selbst:

23 Panoramaklettersteig Übersicht 1

24 Panoramaklettersteig 2

Mit Schnee, insbesondere im Juni, muss man natürlich rechnen.

25 Madonnenklettersteig Übersicht 1

26 Madonneklettersteig Seilbrücke

Die Schlucht zwischen großer Gamswiesenspitze und einem Vorbau überwindet man über diese nette Brücke. Ansonsten verläuft der Klettersteig in logischem Felsgelände und ist gut ohne Armkraftgedrösel zu klettern.

27 Madonneklettersteig Madonna 3

Die Madonna - ein Felsgebilde mit Krönchen - am Gratverlauf.

 

Was geht noch in den Lienzern? Ist das Wetter nicht so stabil, sind die nahen Klettergärten eine Alternative. Der Rote Turm wartet mit Sportkletterrouten bester Absicherung auch auf extreme Kletterer, welche zusätzlich das hochalpine Ambiente mögen. Er ist aber auch über zwei einfache Routen im unteren Schwierigkeitsgrad erreichbar:

22 Roter Turm

Wem das alles noch nicht reicht? Wanderungen sind auch möglich. Rudl Eller Weg zur Dolomitenhütte und Retoure zur Hütte, Kerschbaumer Alm, Weittalspitze, Ödkarscharte, Zochenpass sind mehr oder weniger lohnende Unternehmungen, welche auch mal einen nicht so schönen Tag zum Erlebnis machen. Die Kerschbaumer Alm, ein ÖTK-Schutzhaus, wartet ebenso mit gutem Essen auf.

Auch davon ein paar Impressionen:

28 Wander Lienzer Rudl Eller Weg

Christiane am Rudl Eller Weg. 2010 haben wir die Wanderung unternommen, um die Einstiege zu erkunden.

29 Wandern Lienzer Alpensalamander

Der Alpensalamander begegnete uns unterhalb des Kerschbaumer Törls auf einer Wanderung zur gleichnamigen Alm.

32 Wandern Lienzer Kerschbaumer Alm 5

Der Talboden der Kerschbaumer Alm gibt den Blick frei auf die Gamswiesenspitzen und das Einstiegsgelände zum Madonnenklettersteig. Rechts im Bild das Kerschbaumer Törl - eine super Aussichtswarte.

33 Wandern Lienzer Zopetscharte 1

Der Zochenpass ist bereits der Übergang nach Südtirol.

Wenn man so wie wir nicht die extreme Tour sondern mehrheitlich  die Vielfalt alpiner Unternehmungen sucht, und mal ausgiebig klettern will, ist mit der Karlsbader Hütte und den Lienzer Dolomiten sehr gut bedient. Osttirol gilt als zweite Sonnenstube Österreichs neben dem Bundesland Kärnten. Wir können das voll und ganz bestätigen. Ausgeprägte Nord- oder Südstaus mit schlechtem Wetter, hatten wir in Osttirol noch nie. Es ist eine eher ruhige Ecke mit freundlichen Menschen und vielen weiteren Ausflugsmöglichkeiten, falls man doch mal ins Tal flüchten muss.

Für weitere Infos:

Christiane Klingspor, Falk Klingspor, FÜL Bergsteigen Sektion Dresden des DAV e.V.

Kommentare (1)

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  • Ein sehr interessanter Beitrag und prima Bilder .Man bekommt sofort Lust ,dorthin zu fahren
    Ingo