Alpine Ausbildung in unserer Sektion

Nach der erfolgreichen Etablierung vieler Kursangebote im Bereich Klettern stand die Frage nach einem Angebot im alpinen Bergsteigen. Die traditionellen Kurse "Fels und Eis" mit einem Bergführer wurden durch die Mitglieder leider nicht mehr im angebotenen Umfang angenommen wofür es sicher Gründe gibt, die sich nicht ohne weiteres bestimmen lassen. Die Annahme eines Kursangebotes ist ja nicht zuletzt auch eine sehr persönliche Entscheidung. Das Angebot Spaltenbergungs (-trocken-) übung der letzten Jahre zeigte aber im Gespräch mit den Teilnehmern einen Bedarf insbesondere auch bei jungen Mitgliedern. Über den Winter 2014/15 habe ich deshalb recherchiert und ein Konzept erstellt. Die Ausschreibung erfolgte dann im Januar 2015 und  war sofort ausgebucht. Der erfolgreiche Abschluss mit einer Ausbildungstour in den Stubaier Alpen hat gezeigt, dass man auch mal neue Wege gehen muss. Jedenfalls ist für meine ersten vier Teilnehmer das Konzept offensichtlich aufgegangen. Lassen wir sie selbst berichten.

Die Kursteilnehmer von links nach rechts:

Stefan Ecklebe, Christoph Burggraf, Marina Kluge, Christian Kluge

Tour1

Bericht von Christian:

Mit sorgsam ausgewählten und gestrafften Themenkomplexen (Einführung in die Tourenplanung, Alpine Gefahren und Wetterkunde, Einführung Knotenkunde, Seilschaft in Fels und Eis, Spaltenbergung) vermittelte Falk uns an zwei Abenden in der Geschäftsstelle Dresden Grundwissen und Grundfertigkeiten, um für den Kurs in den Stubaier Alpen gut gerüstet zu sein.

An einem Wochenende im heimischen Sandstein (Spaltenbergung), sowie am Großen Katzenstein im Erzgebirge (Gratkletterei) gab es erste praktische Anwendungen zur Festigung des Gelernten.

Der Übergang von der Dresdner Hütte zur Müllerhütte über Peiljoch, Unteren Sulzenauferner auf dem Lübecker Weg und den Übeltalferner konfrontierte uns mit den veränderten Bedingungen, die durch den starken Rückgang der Gletscher entstanden sind.

Da für den nächsten Tag stabiles Wetter angekündigt war, wurde der Plan angepasst und die Besteigung der Sonnklarspitze mit Gratkletterei und Gletscherbegehung vorverlegt.

Ein phantastischer 360-Grad-Rundumblick bis zum Horizont bei herrlichem Sonnenschein war die Belohnung für die Mühen unserer etwas inhomogenen Seilschaft, denn der Altersunterschied vom Ältesten zum Jüngsten betrug fast ein halbes Jahrhundert. Wenn die Jugend aber in seilfreien Zeiten selbiges trägt und Toleranz gelebt wird, kann auch so eine Seilschaft gemeinsam unterwegs sein.

Um dem mit dem Eiskletterwettbewerb auf der Müllerhütte verbundenen Trubel zu entgehen, setzen wir zum Becherhaus um und wollen von dort aus Fertigkeiten bei Standplatzbau und Spaltenbergung üben. Regen und Nebel bescheren uns jedoch einen halben Hüttentag.

Am letzten Kurstag absolvieren wir unter ungünstigen Bedingungen bei Nebel und Neuschnee den Übergang zur Dresdner Hütte. Die Gratkletterei auf den Wilden Pfaff dauerte durch die Schneeauflage und die teilweise vorgenommene Seilsicherung deutlich länger als geplant. Mit Hilfe des Navigationsgerätes und dem darauf befindlichen Track gelang unserem Ausbilder eine Punktlandung beim Abstieg über den Oberen Sulzenauferner und den Übergang auf das Pfaffenjoch. Der Rückweg über den (ehemaligen) Fernauferner und die dort anzutreffende Baustelle zur Dresdner Hütte strapazierte die letzten Kraftreserven und festigte unsere Meinung, dass die Übererschließung der Berge gestoppt werden muss.

Die vier Teilnehmer bedanken sich hiermit bei Falk und Christiane ganz herzlich und wünschen allen Interessierten eine so optimale und nette Wissensvermittlung.

Christian Kluge

Nun die Impressionen aus dem Kurs:

Spaltenbergungsübung

Bergungsübung1

Bergungsübung mittels loser Rolle

Bergungsübung2

Bergungsübung3

Bergungsübung4

Rücklaufsperre:

Bergungsübung5

.... und über die Kante:

Bergungsübung6

Einen Anker im Eis muss man natürlich improvisieren:

Bergungsübung7

Selbstflaschenzug und Prusiken, als Trockenübung fürs erste bei angenehmen Bedingungen:

Bergungsübung10

Der nächste Ausbildungsabschnitt - Gratkletterei. Auch das gibt es in Sachsen - mal nicht im Sandstein:

Klettern1

Alpin anmutender Standplatz hoch über dem Schwarzwassertal, Erzgebirge:

Klettern2

Auf dem Gipfel des Großen Katzensteins - eine erste Belohnung für die Mühen:

Klettern3

Am Abseilstand:

Klettern4

Nun wird es ernst. Das Erlernte und Trainierte gilt es im Hochgebirge anzuwenden:

Start auf unserer Dresdner Hütte, trotz eher nicht so gutem Wetter nochmals ihre Annehmlichkeiten genießen:

Hoch über dem Stubaital Richtung Peiljoch:

Tour2

Es ist das Toteisfeld des unteren Sulzenauferners zu queren, also Steigeisen anlegen:

Tour3

Gehen mit Eisen will gelernt sein - also erst mal eben hin:

Tour5

Der untere Sulztalferner hat wieder ein ausgeprägtes Gletschertor:

Tour4

Die bange Frage hält das Wetter - kann hier mit ja beantwortet werden: Wolkenziehen und am Ende sogar noch Sonne.

Tour6

Auch versicherte Grate wollen sicher begangen sein:

Tour7

Tour7 1

Auf dem Weg zur Müllerhütte war uns der Wettergott hold. Die Gruppe war fürs Erste glücklich über die nahende Erholung. Körperliche und mentale Anstrengung und dann noch konzentrieren auf Erläuterungen und Anweisungen des FÜL.

Tour8

Dann tut die Stärkung gut:

Tour9

Bei sehr gutem Wetter dank Zwischenhocheinfluss auf der Südseite des Hauptkamms steht der Ausbildungstour auf die Sonnklarspitze nichts im Weg:

Tour10

Tour11

Begehung einer einfachen Randkluft, Sicherung am Blockstand:

Tour12

Nun gehts an seilfreies Klettern in einfachem, aber ausgesetztem Gelände:

Tour13

Wegfindung ist kein Zufall bei richtiger Geländebeurteilung. Ist es nicht mehr UIAA2?  Ist man eben falsch:

Tour14

Ausblick über das vergletscherte Hochgebirge:

Tour15

Geländewechsel - vom Grat auf die Gletscherkappe des Hohen Eises und der Sonnklarspitze:

Tour16

Gipfelglück - Gipfelpanorama:

Tour17

Der Basiskurs Alpin 2015 Sektion Dresden im Gipfelbuch:

Tour18

Sicher wieder zur Hütte, ins Tal na klar. Abseilen ist auch eine Möglichkeit und im Hochgebirge nicht immer so gemütlich wie an der Nonne im Elbsandstein:

Tour19

Das schöne Wetter taugt natürlich für weitere Übungen auf dem Übeltalferner:

Firnanker für einen Stand, Eisschraube setzen, Gehen am Fixseil, wenn es mal schwierig wird:

Tour20

Tour21

Tour22

Tour23

Der Wettergott kann auch mal eine Hand voll Schnee runterwerfen. Bei Beherrschung alpiner Seiltechnik wird das nicht zur Katastrophe. Wir sind also gut zur Dresdner Hütte zurückgekommen, was die folgenden Bilder zeigen:

Tour24

An exponierten Stellen haben wir von Stand zu Stand gesichert. Geländekenntniss des FÜL und das GPS führten sicher auch durch das Wolkentreiben:

Tour25

Der Gipfel des Wilden Pfaff - unter diesen Bedingungen einen kleine Herausforderung für die Teilnehmer:

Tour26

 Warum man auf verschneiten Gletschern wohl anseilt? Solche Spalten sind etwas gruselig und wunderschön zugleich:Tour27

Dieser Windkolk zwischen Zuckerhütl und Hildesheimer Hütte apert auch jedes Jahr weiter aus - damit müssen wir leben.

Tour28

Jede Tour, jeder Kurs geht mal zu Ende. Ich wünsche meinen Teilnehmern nun viele erlebnisreiche selbständige Touren im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Tour29

Müde aber glücklich in der für das Pistenskifahren geschundenen Landschaft des Fernauferners. Zum Trost - nur wenige Prozent der Alpen sind so übererschlossen. Uns bleibt also noch reichlich Betätigungsfeld.

Fazit zum Kurs:

Der Kurs hat am Ende gezeigt, dass diese Form der alpinen Ausbildung gelingen kann. Bei geschickter Geländeauswahl und Erfüllung von Ausgangsvoraussetzungen kommen die Teilnehmer dem Ziel - Selbständiger Bergsteiger - ein Stück näher. Theorieanteile, Knotenkunde und Basistechniken lassen sich auch für eine alpenferne Sektion kostengünstig in der heimischen Mittelgebirgsumgebung realisieren. Umständliches Eingreifen in die Abläufe der Ausbildung ist mir als Übungsleiter so jedenfalls erspart geblieben. Jeder Kursteilnehmer hat sich mit ganzer Hingabe in den Kursablauf eingebracht. In der Ausbildungsseilschaft haben wir gemeinsam alle Anforderungen gemeistert.

Interessenten an einem solchen Kurs für 2016 können sich gern unverbindlich an mich wenden:

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wie immer - Euer Fachübungsleiter Bergsteigen Falk Klingspor.

15.09.15

Kommentare (3)

500 Zeichen verbleiben

Cancel or

  • Hallo Andy, hast natürlich recht. Eine Gruppe führen sollte eine Übungsleiter des DAV im passenden Gelände oder eben ein Bergführer mit staatlicher Prüfung. Auf Äußerungen unserer Mitglieder habe ich keinen Einfluss. Ich wollte es nicht kommentieren, da der Rest der Welt meinen Beitrag richtig verstanden hat.
  • Das ist Sinn und Zweck eines Kurses, dass die Teilnehmer nach Beendigung sich sicherer im Gebirge bewegen bzw. unterwegs sein sollen. Wenn Gruppen geführt werden sollen, dazu gehört noch einiges mehr. Die Ausbildung zum Fachübungsleiter Bergsteigen (neu Trainer C Bergsteigen) dauert beim Alpenverein 3x 1 Woche. Also ist die Feststellung im unteren Beitrag nicht korrekt.
  • Hallo Falk,
    das ist ein toller Beitrag.
    Schön mal etwas über einen Hogebirgskurs zu lesen, den man nich selbst mitgemacht hat.
    Ganz wichtig ist immer, dass jeder Teilnehmer am Ende sicher in allen Situationen handelt und sogar eine eigene Gruppe leiten kann. Das Wetter hat ja allumfassend mit dazu beigetragen. Einiges habe ich schon davon beim Arbeitseinsatz auf der Hochstubaihütte aus erstem Mund gehört.
    Grüße und Berg Heil
    Bernd Herold