2018 – August – Sektionstour im Stubaital

Anmerkung: Dieser Bericht ist auch auf der Seite des Autors zu lesen.
Mitte August nehme ich an einer Sektionstour im Stubaital teil, um der beeindruckend gelegenen Hochstubaihütte endlich mal einen längst überfälligen Besuch abzustatten! Unser Sektionsvorsitzender Christian führt die Tour in unnachahmlich lässiger Art und wir sind zusammen mit René, Olaf, Bernd und Egon insgesamt sechs Bergkameraden. In dieser Woche sind mehrere Touren der Sektion Dresden mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden angeboten, die alle aus verschiedenen Richtungen die Hochstubaihütte ansteuern, um das 80-jährige Hüttenjubiläum zu feiern. Aus meiner Sicht ist das ein großartiges bergsteigerisches Konzept, welches mehrere Sektionsmitglieder in die Jubiläumsfeierlichkeiten einbindet.
Zusätzlich zur Hüttentour- und Hochtourenausrüstung nehme ich ausreichend feste und flüssige Verpflegung für die lange Anreise mit und speichere die AV-Karte Stubaier Alpen Hochstubai auf meinem Smartphone ab.

Tag 1 – Anreise – Aufstieg zur Nürnberger Hütte
6 km | ↑ 910 Hm | ↓ 10 Hm | 2 ½ h

Ich probiere zum ersten Mal in meinem Leben die Anreise mit dem Nachtzug in einer 6er Kabine aus und habe ehrlich gesagt gemischte Gefühle. Die weiteren Mitreisenden haben zumindest spannende Geschichten auf Lager: Ein Neuseeländer geht auf Motorradtour durch die Alpen, ein Niederländer will mit dem Fahrrad von den Alpen bis nach Hause fahren und zwei Deutsche bereisen mit Interrail-Tickets den Osten Europas. Das 6er Abteil im Nightjet kann ich Menschen mit einer Körpergröße über 1,80 m nicht uneingeschränkt empfehlen. Mit über zwei Stunden Verspätung treffe ich in Innsbruck ein und nehme den Bus ins Stubaital. Da sich auch die Autoanreise der Dresdner verzögert treffen wir uns nahezu zeitgleich kurz hinter Ranalt und beginnen den Aufstieg. Wir legen ein kurzes Zwischenbier auf der einladenden Bsuchalm (1572 m) ein und quatschen währenddessen und auch beim weiteren Aufstieg zur Nürnberger Hütte (2280 m) viel untereinander. Unser Tourenführer Christian beeindruckt mich sehr mit seinem Bericht vom kürzlich absolvierten Stubaier Ultratrail und seinem Plan der Matterhornüberschreitung für das kommende Wochenende. Auf der Nürnberger Hütte herrscht eine wundervoll familiäre Atmosphäre und ich habe den Eindruck, dass alle Familienmitglieder kräftig mit anpacken. An unserem Tisch sitzt auch eine Familie aus den Niederlanden. Die Tochter kämpft sich sogar mit verletztem Arm auf die Tour und nimmt es sportlich, da ihr dafür zumindest das Rucksacktragen erspart bleibt. Stark! Zum Abschluss der Halbpension und zur Verdauungsunterstütung wird ein leckerer Haselnussschnaps gereicht.Wolf Stubai 1

Tag 2 – Nürnberger Hütte – Wilder Freiger – Wilder Pfaff – Hildesheimer Hütte
14 km | ↑ 1750 Hm | ↓ 1110 Hm | 9 h

Nachdem 5:15 Uhr mehrere Wecker gleichzeitig schellen, genehmigen wir uns 5:30 Uhr ein am Vorabend abgestimmtes Thermofrühstück, um zeitig starten zu können. Der Weg zum Wilden Freiger (3418 m) ist mittlerweile schnee- und eisfrei obwohl auf der Karte der eigentlich zu überschreitende Grüblkarferner gar nicht mal so schmal eingezeichnet ist. Olaf beginnt uns eindrücklich in Wetterkunde zu unterrichten und ich glaube, dass wir das gute Wetter auf der Tour hauptsächlich ihm verdanken können. Vom Wilden Freiger steigen wir nach ca. 4 h Gehzeit wieder ein Stück in südlicher Richtung über einen anfangs nicht übermäßig angenehm zu gehenden Gratweg ab. Der Anstieg zum erhaben und exponiert gelegenen Becherhaus (3190 m) stimmt relativ genau mit meiner Vorstellung überein wie es nach der griechischem Mythologie auf dem Weg zum Olymp ausschauen muss. Ein Kaltgetränk und eine Knödelsuppe stärken uns für den weiteren kurzen Abschnitt zur Müllerhütte (3143 m), wo wir uns ebenfalls ein Sturzbier genehmigen. Ich verstehe langsam das System unseres Tourenführers und es gefällt mir ;)Wolf Stubai 2Olaf erzählt nicht nur von seiner Skitour im Pamir, wo er ohne Sauerstoffflaschen auf über 7000 m unterwegs war, sondern auch von seiner Expedition in Spitzbergen, wo stets ein im Schusswaffengebrauch trainierter Führer zur Eisbärabwehr dabei sein muss. Bei solchen Berichten schlackere ich schon heftig mit beiden Ohren! Der weitere Weg führt uns in leichter Kletterei, die an den meisten Stellen durch Drahtseilversicherung und Eisenstifte entschärft ist, zum Wilden Pfaff (3458 m) hinauf. Dort haben wir eine herrliche Sicht auf das Zuckerhütl (3507 m), was wir aus Zeitgründen leider auslassen. Ich habe unsere Mannschaft durch meine mandelentzündungsgehemmte und kopfschmerzreduzierte Geschwindigkeit etwas aufgehalten. Entschuldigt, Männer! Nach einer kurzen Ibukur – ermöglicht durch unseren hilfsbereiten Tourenmedikus Bernd – geht es dann auch für mich wieder deutlich schneller weiter. Wir wählen den Abstieg über den Sulzenauferner, das Pfaffenjoch (3212 m) und den Pfaffenferner zur Hildesheimer Hütte (2899 m), wo Egon bereits auf uns wartet. Ungewaschen und zufrieden von dem schönen Tourentag schlingen wir gierig das Abendessen und mehrere Kaltgetränke in unsere Schlünder, bevor es dann nach und nach zur Dusche geht. [Seilschaft am Wilden Pfaff (3458 m) mit Blick zum majestätischen Zuckerhütl (3507 m)Wolf Stubai 3

Tag 3 – Hildesheimer Hütte – kleiner Isidor – Warenkarscharte – Hochstubaihütte
7 km | ↑ 660 Hm | ↓ 390 Hm | 4 ½ h

Heute steht mit dem 80-jährigen Hüttenjubiläum auf der Hochstubaihütte das Highlight unserer Tour an. Anstelle der kürzesten Verbindung über den Gaisskarferner, nehmen wir einen nicht markierten Gratweg (I) am Fuße des (Genick-) Schussgrubenkogels zum kleinen Isidor (3183 m). Am Gipfel treffen wir eine Einheimische, die mit sportlichen Trailrunningschuhen eine beeindruckende Geschwindigkeit an den Tag legt. Der Abstieg ist kurz und aufgrund der offenbar frisch abgeflexten Seilversicherungen etwas mühsam. An der an eine Schirmbar erinnernde Einkehrmöglichkeit, der Jochdohle (3135 m) spendiert uns die lebende Legende eine Runde Kaltgetränke. Danke, Christian R.! Der weitere Weg führt uns über den Windacher Ferner und dem was vom verschütteten Warenkarferner noch übrig ist, zur Warenkarscharte (3186 m). Dieser Wegabschnitt ist aufgrund des zu überwindenden aber locker aufliegenden Gerölls aktuell nicht mehr zu empfehlen. Wir sind uns einig, dass es aktuell ein Scheißweg ist. Wir steigen über den Wütenkarferner zur Hochstubaihütte (3175 m), wobei uns beim verblockten Hüttenzustieg ein tonnenschwerer Fels entgegengerast kommt. Olaf und ich schauen uns einen Sekundenbruchteil an und sprinten, los um diesem Todesbrocken schleunigst zu entkommen. Wir kommen gesund und munter auf der Hochstubaihütte an und es herrscht bereits geschäftiges Treiben. Wir machen uns frisch und nehmen am gut besuchten Berggottesdienst teil, der sowohl von einem evangelischen als auch einem katholischen Geistlichen durchgeführt wird. Direkt im Anschluss gehen wir zusammen mit all den übrigen Gästen zum gemütlichen Teil über. Es gibt an diesem Abend viel Bier und einige Runden Schnaps. Die Küche hat sich für meine Begriffe selbst übertroffen und es gibt ein absolutes Festmahl! Die Feierlichkeiten werden mit einem musikalisch untermalten Feuerwerk gekrönt. Ich bin beeindruckt von diesem qualitativ sehr hochwertigen Unterhaltungsprogramm, aber frage mich zugegebenermaßen gleichzeitig, ob diese Lärm-, Licht- und Abfallbelastung zur Jubiläumsfeier einer Berghütte wirklich notwendig ist.Wolf Stubai 4 Wolf Stubai 5An diesem Abend spielt die Hüttenruhe keine Rolle und wir führen viele gute Gespräche. Mir ist besonders die Unterhaltung mit einer Ärztin zum Thema Ehrgeiz bei unserem gemeinsamen Hobby Laufen im Kopf geblieben. Ich nehme den Impuls mit, dass beim Laufen der Ausgleich zum übrigen Alltagsstress verloren gehen kann, wenn man seine Wettkampfzeiten durch immer härtere Trainingspläne verbessern will. Für dieses Jahr beherzige ich das und statt einer weiteren Verbesserung meiner Marathonzeit, nehme ich mir lieber vor, meinen guten Freund, der mich dankenswerterweise als Teil einer Staffel bei meinem ersten Marathon begleitet hat, bei seinem Marathondebüt zu unterstützen.Wolf Stubai 6

Tag 4 – Hochstubaihütte – Wütenkarsattel – Daunjoch – Dresdner Hütte – Sulzenauhütte
13 km | ↑ 590 Hm | ↓ 1560 Hm | 6 h

Am nächsten Tag frühstücken wir etwas später als gewohnt und mit knisternden Köpfen. Wir überqueren den Wütenkarferner und steigen weglos zum Wütenkarsattel (3099 m) auf. Über den Sulztalferner erreichen wir wiederum einen durch verblocktes Gelände gekennzeichneten Aufstieg zum Daunjoch (3062 m). Dort legen wir eine kurze Pause ein und unsere Mannschaft unterstützt mich kräftig bei der Reduzierung meines Rucksackgewichts durch eine reichhaltige Futterpause. René berichtet von seinen zahlreichen Skitouren in den Stubaier Alpen und ich überlege diese Trendsportart auch einmal auszuprobieren. Der weitere Abstieg führt uns durch das Skigebiet zur Dresdner Hütte (2302 m), wo Egon eine Runde Kaltgetränke spendiert. Danke Egon! Ich verabschiede mich von den übrigen Kameraden, die von dort den Heimweg antreten. Herzlichen Dank an Christian für die Organisation und Tourenführung und vielen Dank an die restliche Mannschaft für die fabelhafte Tour! Wolf Stubai 7Wolf Stubai 8 Ich gönne mir noch den, aufgrund zunehmender Bewölkung eher zügig gestalteten, Übergang zur Sulzenauhütte (2191 m) mit Übernachtung vor meiner Abreise. Auf der Sonnenterasse treffe ich zwei sympathische junge Frauen aus München und Frankfurt, die zum ersten Mal auf Hüttentour unterwegs sind und darüber unterhaltsame Geschichten zu erzählen haben. Zum Abendessen wird man vom Hüttenteam platziert und ich sitze mit vier Frauen am Tisch, darunter eine junge Köchin, die bald ihren neuen Job in der Sterneküche von Schloss Elmau antritt und die kommenden Tage eine ähnliche Tour plant, wie wir sie schon durchgeführt haben. Nach dem Essen kommen auch die beiden attraktiven Bergsteigerinnen dazu und lassen mir beim Uno keine Chance. Mit den beiden einige ich mich für den Folgetag auf eine kleine Tour vor dem Frühstück.

Tag 5 – Sulzenauhütte – Abstieg und Abreise
9 km | ↑ 300 Hm | ↓ 900 Hm | 3 ½ h

Gegen 5 Uhr starten wir im Lichtkegel unserer Stirnlampen den Aufstieg zum Gletschertor des Sulzenauferner. Die auf dem Weg geführten Gespräche sind für mich interessanter als die landschaftliche Umgebung. Die aufgehende Sonne bewirkt auf dem Rückweg zur Sulzenauhütte eine angenehme Stimmung und meine beiden Begleiterinnen sind glücklich über die Gelegenheit, auch die mitgenommenen Stirnlampen ausprobieren zu können. Bei der Verabschiedung empfehle ich den beiden Bergsteigerinnen die im Vergleich zum Beiljoch (2676 m) lohnendere Tour über den Großen Trögler (2902 m). Bei meinem Abstieg (ca. 4 km, 600 Tiefenmeter und 1 ½ h) von der Sulzenauhütte zur Bushaltestelle bin ich mir sicher, dass die beiden zufrieden mit dem Weg sind und bis zur Dresdner Hütte eine großartige Etappe genießen. Für mich geht es mit dem Bus nach Innsbruck und später weiter mit dem Zug über München nach Hause.Wolf Stubai 9 Ich bin sehr dankbar für die vielen einprägsamen Erfahrungen und die gute Unterhaltung auf dieser Tour! Schreibt ruhig Feedback zu dieser Tour in der Kommentarsektion. Ich habe das Gefühl, dass mich das Stubaital nicht zum letzten Mal gesehen hat.

Berg Heil!
Christian
www.bergbegeisterung.de



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