Es war knapp, doch: Es hat geschneit in Südtirol!

Andreas, Konstanze, Olaf, Jürgen, Thomas, Stefan und Sophie starten am 11. März 2017 um 5.30 Uhr morgens von Dresden in Richtung Südtirol. Unser Ziel ist ein Reiterhof im Gsieser Tal. 14 Uhr sind wir dort angekommen. Im Tal ist Frühling, die letzten Reste der Langlaufloipe wurden mit viel Liebe nochmal halbwegs in Form gebracht.

Am Nachmittag beginnen wir mit einer kleinen Eingehtour und LVS-Übung im Talschluss des Gsieser Tals. Wir turnen mit den Ski behände um Schnee- und Eisreste bis kurz vor eine kleine Alm. Dort hinterlassen Chaos wir im Schnee und steigen schließlich satte 30 Höhenmeter den kleinen Schneekegel für eine erste Abfahrt im Abendlicht hinauf.

Abends planen wir den nächsten Tag: Andreas ist gut vorbereitet und erklärt uns, welche Touren möglich sein sollten. Der viele Neuschnee der letzten Woche hat zumindest im Alpenraum teilweise für Lawinenwarnstufe 4 gesorgt. Trieb- und Altschnee machen vor allem hohe und steilere Hänge unberechenbar. In unseren Zielen gilt Lawinenwarnstufe 3 in allen Höhen und allen Expositionen.

 

16 1 Gruppe

 

12. März 2017, Hoher Mann (Villgratener Alpen), 2.593m

Ziemlich genau 8 Uhr beginnen wir mit dem Aufstieg auf den Hohen Mann. Der Weg führt über eine Skipiste (Eis), dann über eine Rodelbahn (noch mehr Eis) und später über schöne Wiesenhänge (Schnee, YES!) bis zu einer kleinen Steilstufe. Dort lassen wir die Ski liegen und steigen zu Fuß auf den Gipfel. 11.30 Uhr stehen wir bei schönstem Sonnenschein am Gipfelkreuz und freuen uns über die Aussicht auf Alpen und Dolomiten. Wir sind nicht lange allein – die gute Idee, auf diesen hübschen Gipfel zu steigen, hatten noch einige andere Tourengeher.

In den Nordwestflanken des Fellhorns können wir viele kleine Lawinenabgänge beobachten, auch am Hohen Mann ist nordwestseitig ein großes Schneebrett abgerissen. Deshalb wählen wir für die Abfahrt eine wenig steile Variante aus und finden dort trotzdem schönen Pulverschnee! Der Schnee endet an einem Waldstück und die "Arbeit" beginnt. Das nun unvermeidliche Gehopse zwischen den Bäumen schließen wir mit einem Einkehrschwung in der Aschtalm ab. Dort werden Bier, Cappuccino (Note 1) und Quellwasser aus unklarer Quelle getestet und für gut befunden. Es gibt erste Sonnenschäden auf der Haut. Die Abfahrt über die Rodelbahn (nun etwas mehr abgetaut) und Skipiste (nun wieder vereist) bis zum Auto ist nur noch Formsache.

 

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13. März 2017, Rotlahner (Villgratener Alpen), 2.743m

Die Lawinenlage hat sich kaum geändert, deshalb hat Andreas auch heute eine schöne, jedoch vorsichtige, Tour ausgewählt. Wir starten gleich mal eine Stunde früher, um bei der südseitigen Abfahrt kein Nassschneeproblem zu bekommen.

7.00 Uhr steigen wir frierend auf die Ski und über eine Forststraße (mit dem unvermeidlichen Eis, auf dem auch noch jemand gestreut hat!) zum Rotlahner auf. Nachdem wir die Ski durch ein steiles Waldstück getragen haben und endlich auf einer Almwiese in der Sonne stehen, wird auch dem/der Letzten etwas warm. Wir queren bei prallem Sonnenschein einen gewaltigen Kessel. Am Fuße des Rotlahners entdecken wir in den steilen Nordostflanken des Gipfels Abfahrtsspuren. Wir diskutieren die Steilheit des Hanges und diese Abfahrtsvarianten und beschließen, dort später ein Schneeprofil zu erstellen.

11.30 Uhr erreichen wir den Gipfel. Ein gigantisches Panorama bietet sich uns von den Alpen bis zu den Dolomiten. Bestimmt eine Stunde starren wir beeindruckt auf die Berge versuchen bzw. können (Andreas) auch viele Gipfel zuordnen: Marmolada, Wildspitze und Ortler entdecken wir im Gipfelgewirr.

Beim Abstieg erstellen wir das Schneeprofil. Der Schnee bebt schon beim Graben und kaum steht der Schneeblock frei, rutscht er praktisch sofort auf einer Altschneedecke ab. Eine Abfahrt durch die Flanke wäre sehr leichtsinnig.

Bei der Abfahrt folgen wir dann später dem Tipp zweier Tourengeher und biegen in Richtung Stumpfalm ab. Damit ersparen wir uns die Kletterei durch den Wald und tauschen sie gegen Schieberei durch den Wald. Belohnt wird die Anstrengung mit einer netten kleinen Wiese vor der Stumpfalm und dort dann mit allerlei Getränken, Suppe und Kaiserschmarrn. Andreas hat das Tourenabschlussbier region-assoziiert gegen Wein getauscht. Der Cappuccino bekommt hier höchstens die Note 3, die Sonne grillt uns gnadenlos und am Nachbartisch zanken sich Italiener um vertauschte Trekkingstöcke: Willkommen in Italien!

Abends testen einige die Kletterhalle in Toblach (23m Wände!), andere testen die Wellnessoase im Alpin-Bad in Innichen. Beide Gruppen sind gleichermaßen zufrieden.

 

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14. März 2017, Sextener Stein (Sextener Dolomiten), 2.593m

Die Lawinenlage hat sich etwas verbessert und wir wagen uns in die Dolomiten. Kurz vor 8 Uhr rutschen wir also im Fischleintal über die Langlaufloipe in Richtung Talschlusshütte. Das Ziel heute: der Sextener Stein, ein unspektakulärer Gipfel mit allerdings spektakulärer Aussicht. Bereits am Parkplatz ragen die schroffen Kalksteinzapfen der Dolomiten beeindruckend in die Höhe und lassen das Herz höher schlagen.

Wir steigen durch eine Schneise im verschneiten Altensteiner Tal am Landrobach auf (da stellt sich sprichwörtlich "glatt" die Frage: Müssen wir diese "Bobbahn" etwa auch wieder runter?). Gegen 10.30 Uhr erreichen wir die Hochebene "Bödenalpe", mit erstem Blick auf die Drei Zinnen, das Frankfurter Würstel, das Rifugio Tre Cime und unser Tourenziel den Sextener Stein, der vom benachbarten Toblinger Knoten überragt wird.

Den Gipfelanstieg überwinden wir schnell. Ab 11.30 Uhr müssen sich die Drei Zinnen im Fotoshooting behaupten. Meine Güte! WAS für ein herrlicher Ausblick: "Best of Dolomiti" sozusagen.

Die Abfahrt beginnen wir mit einem beherzten Steilstück, das die meisten beherzt hinunter kurven oder kullern. Dann folgt der Plaisierteil über die weite Ebene am Lago die Pian. Wir queren bis in die Nordflanke des Einserkofels, dort graben wir wieder ein Schneeprofil. Es rutscht ab, kaum haben wir es frei gelegt. Weiter östlich liegt weniger Schnee in der Flanke, dort fahren wir einzeln ab. Dann kommt tatsächlich die Bobbahn. Wild geht es im Bachverlauf entlang. Einige Tourengeher schnallen ab, verschwinden stapfend im Baumlabyrinth und werden später besorgt vermisst. In der Talschlusshütte genießen wir schließlich glühend von der Sonne verschiedene Getränke (Cappuccino Note 1,5) und fahren anschließend Loipen-Wasserski bis zum Auto zurück.

Hinterher geht es geschlossen in den Wellnesstempel nach Innichen. Ruheraum der Sauna mit Blick auf den Haunold: WAS will man mehr!

 

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15. März 2017, Kaltsteinerjöchl (Villgratener Alpen), 2.340m

Heute soll es eine kürzere und ruhigere Tour werden. Es geht wieder in die Alpen. 8 Uhr starten wir heute nur zu fünft wieder im Gsieser Tal über die (wieder vereiste) Forststraße den Aufstieg zum Kalksteinerjöchel. Die Sonne versteckt sich hinter einigen Wolken und Wind bläst uns abweisend ins Gesicht. Sonnenverwöhnt wie wir sind, finden wir das nur wenig witzig. Wir trotzen dem "Wetter" und erreichen schon 10.15 Uhr das Jöchel. Auch hier weht es unangenehm und die Option, noch den Gail (2.494m) zu erklimmen, wird auch wegen geringer Schneeauflage abgewählt. Schnell ziehen wir die Felle ab und verschwinden im Joch.

Andreas (grüner Pfeil) führt uns treffsicher in eine unverspurte Flanke, in der sich ordentlich weicher Pulverschnee gesammelt hat. Die Spur endet vor einem steilen Lärchenwald. Wieder gibt es dicken Pulverschnee! Hier unterscheiden sich die Strategien: Einige fahren auf dem Schnee ab … andere praktisch "unter" dem Schnee. In Analogie der Pulverschneestrategien teilt sich auch die Gruppe an der Tscharnied Alm (1.990m): Zwei Tourengeher bleiben in der Sonne sitzen, die sich mittlerweile gegen Wind und Wolken durchgesetzt hat und halten nach Mädels im Skitouren-Bikini Ausschau.

Die drei anderen beschließen 30 Minuten lang nochmal aufzusteigen … naja, am Ende sind es knapp 40 Minuten in der tatsächlich die 350 Höhenmeter bis zum Jöchel überwunden werden. Die Anstrengung ist bald vergessen, denn eine weitere Pulverschneevariante nebst alternativem Lärchenwald wird aufgespürt.

Den Tag lassen einige mit einem Ausritt im Gsieser Tal ausklingen, andere fahren nach Toblach klettern oder sitzen vor der Ferienwohnung in der Sonne.

 

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16. März 2017, Großer Jaufen (Pragser Dolomiten), 2.476m

8 Uhr queren wir den zugefrorenen Pragser Wildsee. Ab und zu blubbert es in offenen Löchern im Eis (ohja: Es gibt Wasser unter der Eisdecke!), zumindest das Panorama ist beeindruckend und lenkt den Blick vom Wasser auf den Felsen. Dann steigen wir zwischen Großem Jaufen und Seekofel auf. In einer Steilstufe erwartet uns ordentlich Akrobatik: Wir überwinden das Nabinger Loch (ca. 40°) mit wenigstens acht Spitzkehren (gefühlt sind es bestimmt 20). Oben angekommen gehen wir zwischen kleinen Hügeln durch einen wildromantischen Kessel und erreichen 11.30 Uhr das flache, weitläufige Gipfelplateau. Wieder ist das Panorama gewaltig: Ob nun gleich nebenan der beeindruckende Seekofel, die Marmolada oder die Tofane. Dieses Mal entdecken wir auch Weißkugel und Wildspitze in den Ötztaler Alpen.

Wir fahren im weichen Firn ab. Das Nabinger Loch überwinden wir schwitzend und rutschend und landen schließlich inmitten eines Latschenkiefernwaldes. Die Fähigkeit, Bäumen und Büschen rechtzeitig auszuweichen oder zu bremsen, wird überlebensnotwendig. Zum Schluss skaten wir auf dem Eis(?) über den Pragser Wildsee, in dem es jetzt noch lebendiger blubbert, zurück. Klar gibt es zur Belohnung einen Abstecher auf die Sonnenterasse des Seehotels (Cappuccino Note 2,1, Prosecco: 1,5).

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17. März 2017, Lückeleschartl (Sextener Dolomiten), 2.532m

Zum Wochenabschluss soll es eine Firntour in den Dolomiten werden. Ziel ist der Ausdauerhammer Hochebenkofel (2.905m), es gilt 1.650 Höhenmeter zu überwinden. Dieser Anstieg ist zudem sehr ineffizient auf die Strecke verteilt, da es einige lange Querungen ohne nennenswerten Höhengewinn gibt.

 

Wir starten dieses Mal sehr früh, denn der Tag verspricht ausnehmend warm und sonnig zu werden. Auf Abfahren in knietiefem Firn hat niemand wirklich Lust.

6.45 Uhr starten wir den Aufstieg zur Dreischusterhütte. Diese erreichen wir kurz vor 8 Uhr. Ein bissiges Steilstück wird überwunden, dann folgt ein wieder Aufstieg in einer "Bobbahn". Wir erreichen kurz nach 10 Uhr die ersten schönen Schneewiesen, die bereits jetzt deutlich aufgeweicht sind. Es wird warm. Es wird wärmer. Es wird ganz warm. Dringend müssen Pausen eingelegt werden. Der Schnee wird zunehmend weich. 10.30 Uhr stehen wir vor dem letzten Steilstück und schauen etwas unentschlossen auf die Schneedecke. Vor uns liegen noch ca. 500 Höhenmeter. Diese bedeuten noch ca. 1,5 Stunden Aufstieg in frühlingswarmer Sonne.

Andreas trifft die vernünftige Entscheidung: Wir steigen noch rund 100 Höhenmeter bis zum Lückeleschartl auf und freuen uns über einen tollen Ausblick in Richtung Alpen. Eher rhetorisch diskutieren wir, den Hochebenkofel doch noch über den Klettersteig von der Scharte aus zu erklimmen. Mittlerweile haben sich alle etwas erholt. Noch ein letztes Schneeprofil wird in der steilen Flanke an der Scharte erstellt. Es hält! Man muss fast drauf springen, damit der Schneeblock ins Rutschen gerät. Wir wagen uns daher für die Abfahrt ein Stück in die Flanke vom Nördlichen Bullkopf. Dort erwartet uns trotz all der Sonne tatsächlich schöner Pulverschnee. Es gelingt da praktisch jedem, einige "qualitativ hochwertige" Kurven in den Schnee zu ziehen. Die Drei Zinnen thronen bei der Abfahrt gewaltig über uns.

Dann stellen wir schnell fest, dass die Entscheidung, die Tour abzubrechen, völlig richtig war. Der Schnee auf den folgenden Wiesen ist bereits ziemlich aufgeweicht, tief sinkt man ein und das Fahren fällt recht schwer. Fast freut man sich da auf die Abfahrt in der eisigen Aufstiegsbobbahn. Wir kurven entschlossen hinab, umklettern das Steilstück und üben uns im Langlauf bis zur Dreischusterhütte (Cappuccino 1,5).

Zwei Tourengeher testen im Anschluss noch den Klettergarten an der Hütte (nachdem die Klettersachen aus dem Auto geholt wurden – 300 Höhenmeter extra gehen damit an Jürgen): Sichern im kurzen T-Shirt aus Skistiefeln vor verschneiten Dolomiten bis zum Sonnenuntergang, zweifellos eine interessante Kombination.

Der Rest tritt den Heimweg an und gönnt sich noch einen Ausritt im Gsieser Tal.

 

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Bilanz

6.900 Höhenmeter, 87km Skitour, Sonne satt, unbeschreibliche Panoramen. Jeder Tag ein Erlebnis! Andreas, vielen herzlichen Dank für diese wunderbare und toll geplante Tourenwoche im Herzen von Südtirol!

Tag

Gipfel

Höhenmeter

Entfernung

12.03.2017

(Tag1)

Hoher Mann

(2.593m)

1.100

13 km

13.03.2017

(Tag 2)

Rotlahner

(2.743m)

1.200

13,5 km

14.03.2017

(Tag 3)

Sextener Stein

(2.539m)

1.100

16 km

15.03.2017

(Tag 4)

Kalksteinerjöchl

(2.340m)

850 oder

1.200

11 km oder

14,5km

16.03.2017

(Tag 5)

Großer Jaufen

(2.476m)

1.100

13,5 km

17.03.2017

(Tag 6)

Lückeleschartl

(2.532m)

1.200

16,5km

 

 

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