Skidurchquerung, das Team:

Mike – schneebesessener Kopf des Ganzen

Susan – abfahrtsstarker Topfenstrudelgourmet

Anna – ambitionierter Führungsnachwuchs mit Hang zum Pulverhang

Paul – ein Wunder an Wechselkleidung in freundlichen Farben

Stefan – Tiefschneespürnase und Preisoptimierer

Stephan – Ausdauerhammer mit motivierenden Bergführersprüchen

Sophie – nichtbiertrinkende, farbenaffine Schnecke

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100434

 

18. Februar 2019 – oder: Spiegeleier in der Pfanne

Wir starten am 18. Februar 2019 in Brixlegg mit dem Skibus zur Ski-Durchquerung der Kitzbüheler Alpen. Vor uns liegen rund 110 km und ca. 8.000 Höhenmeter Aufstiege – mit entsprechenden Abfahrten.

Übernachtet haben wir nach unserer Anreise in einer Jugendherberge in komfortabler Autobahnnähe. Sowohl das Essen (Nudeln, Pommes und irgendwelche Teilchen), als auch die Zimmer (8-Betten) und die Preise waren "jugendgerecht". Während wir uns noch am späten Nachmittag über einige seltsame Hausregeln wunderten, wurde spätestens ab 19 Uhr deren Notwendigkeit mehr als klar, als sich die Gänge in Partymeilen verwandelten ... (z.B. "Jeder schläft in seinem eigenen Bett!") Jung sein, ist schon irgendwie cool ;)

Zurück zum Skibus: Dieser bringt uns zunehmend prall gefüllt (wir sind schließlich in der Hauptsaison) nach Inneralpbach zum ersten Startpunkt unserer Tour. Bei schönster Sonne starten wir auf schönstem Harsch zunächst auf einer Langlaufloipe den Aufstieg zum Lämpersberg (2202m). Hochmotiviert mit sauschwerem Gepäck (zumindest in meinem schlummert u.a, Schokolade für eine gefühlte 10tägige Arktis-Expedition) beginnen wir mit dem Aufstieg.

Dort ist der Schnee unten bretthart, dann ist es zunächst "schön" sonnig und später "ätzend" sonnig. Wir fühlen uns etwas wie Spiegeleier in der Pfanne und manch einer geht förmlich fest. Wir queren den unheimlich wirkenden Saupansen mit bedrohlich aussehendem Anriss eines Gleitschneebrettes und kämpfen uns schließlich die restlichen 250 Höhenmeter auf den Lämpersberg hoch. Dort sind – war ja klar – alle Strapazen vergessen. Mein Schokoladenvorrat schrumpft um 100g und die Abfahrt wird ins Visier genommen.

Die Tiefschneespürnasen unter uns finden einen erfreulich pulvrigen Hang. Wie immer nach solchen Momenten … folgt die Kehrseite: Betonschnee an Osthängen, man müht sich in der zähen Masse (irgendwas zwischen Gummi und Bällebad) den Berg hinab. Wenigstens ebenso mühsam versuche ich dabei an den schönen Pulver weiter oben zu denken und an den Cappuccino auf der angepeilten Schönanger Alm.

Böses Erwachen: Die Schönanger Alm verfehlen wir locker, denn als wir unten aus dem garstigen Schneebällebad kullern, liegt die Alm ca. 1,5km taleinwärts zurück und vermutlich auch längst nicht mehr in der Sonne. Also rufen wir ein Taxi und lassen uns zum Übernachtungsort, einem Bio-Bauernhof kutschen. Dort gibt es zu unserer Freude "Schnitzel all you can eat" vom eigenen Schweinebestand. Selten so lecker gegessen!

Bilanz: 6,6km und 1.200 Höhenmeter Aufstieg

1.1

 

19. Februar 2019 – oder: "Was sind schon 6km?"

Wir starten –recht gut ausgeruht – von Schwarzau in Richtung Feldalpenhorn (1923) und Schwaigberghorn (1990). Wieder erwartet uns prächtiger Harsch (dieses Mal klappern meine Harscheisen schon verheißungsvoll außen am Rucksack … leider habe ich sie dort auch klappern lassen). Fast schon traumwandlerisch finden wir den Weg in Richtung Feldalpenhorn, da so ziemlich jeder von uns das kecke Hörnli schon mal bezwungen hat. So lassen wir schnell diverse Rastpunkte und den obligatorischen Stacheldraht hinter uns und erreichen den Sattel zwischen Feldalpen- und Schwaigberghorn.

Wir haken das erste Horn gekonnt ab und eiern über einen "interessanten" Grat zum Schwaigberghorn, an dessen Gipfelaufschwung gerade ein paar Schneeschuhgeher verzweifeln. Da wir keine Lust auf diese "Abkürzung" haben, schlurfen wir gekonnt um das Horn herum und bezwingen den Gipfel recht bequem von Süden über die solide geschlossene Gras- und Heidekrautdecke.

Die Fläche ums Gipfelkreuz ist übersäht mit unappetitlichen gelben Flecken … weiß der Geier! Während ich mich beim ritualisierten Schoko-Verzehr darüber aufrege (blöd eigentlich, denn ich bin im Urlaub!) und versuche Gipfelkreuzfotos ohne Skifahrer (und ohne Schneeschuhgeher) zu machen, diskutieren die abfahrtsorientierten Mitgeher bereits die DownHill-Optionen.

War ja klar: Es wird der Steilhang (weil Norden = kein Gleitschnee). Das erste Stück ist harte Arbeit in zerfahrenem Ex-Pulver, dann wird es ganz und gar prächtig. Entspannt schwingen wir auf den mit überwiegend wässrig-firnartiger Schneeauflage überzogenen sanft geneigten Wiesen in Richtung Kelchsau. An steileren Stellen sehen wir beeindruckende Gleitschneelawinen.

Unten angekommen folgt die Erkenntnis, die man bisher verdrängt hatte: Das Wirtshaus Wegscheid befindet sich leider in einem Nebental noch 6km talaufwärts entfernt. Was soll ich sagen: 6km und 350 Höhenmeter können wirklich, wirklich lang sein! … und kalt. Nach jeder Kurve hofft man besagtes Wirtshaus zu sehen und man wird wieder und wieder enttäuscht. Alle schweigen verbissen, zumindest ich habe Phantasien von Nudelbergen und Kaiserschmarrn. Irgendwann stehen wir dann doch vor dem Gasthaus, der Wirt ist noch nicht da (weil offiziell Ruhetag ist).

Als ich dann schon kurz vorm Erfrieren bin, kommt der Wirt mit grimmiger Miene angerauscht – es gab Stau in Wörgl. Wir stürmen das Gasthaus, ich bestelle mir mehrere Tees und Sachertorte. Der Rest bestellt sich kaltes! Bier (das muss man echt nicht kommentieren!). Der Wirt taut ebenso auf wie ich. Das Essen ist gut, die Küche ein einziges Chaos (man sollte nicht den Fehler machen, dort aus Versehen reinzugucken) und die Dusche ist wunderbar heiß und kräftig, YES!

Bilanz: 21km und 1.525 Höhenmeter

2.1

 

20. Februar 2019 – oder: Bachlauf versus Plaisirhang

Der Morgen ist kalt und wir rutschen kann ein Drittel der Strecke zum Wirtshaus wieder zurück ins Tal. Dann beginnen wir in Richtung Wiesenboden (1.947m) aufzusteigen. Der unvermeidliche Harsch begleitet uns die ersten 400 Höhenmeter. Manch einer versucht der bequemen Straße auszuweichen und spurt verbissen den daneben liegenden Steilhang (Der Weg ist das Ziel!).

Der Wiesenboden liegt schließlich als großes Plateau mit wunderbarer Aussicht auf Inntal und Kitzbüheler Alpen vor uns und macht seinem Namen alle Ehre. Wir queren von dort mehr recht als schlecht zum Steinberg (1.887m), weil wir natürlich wegen rd. 70 Höhenmeter Abfahrtsvergnügen schon abgefellt hatten.

Auf dem Steinberg schielen einige (männliche) Mitgeher abenteuerlustig auf den Eingang zu einem tief verschneiten, steilen Bachlauf. Wildes Gehopse über Stock und (größere) Steine werden jedoch zu Gunsten einer sich vor uns wunderschön auftuenden Wiesenfläche abgewählt. Oben Pulver, weiter unten dann der unvermeidliche Gummischnee. Wir gleiten mit Ski praktisch bis zum Skikeller und kurz nach 15 Uhr sitzen wir im letzten Sonnenlicht vor dem Gasthof Steinberg im Windautal und warten darauf, dass uns jemand trotz dem beunruhigenden Schild "Ruhetag" kaltes Bier (ähm: heißen Cappuccino) bringt. Kurz vor 15.30 Uhr haben wir schließlich Getränke, Kuchen und die Erkenntnis: Die Sauna gibt es seit dem Sommer nicht mehr. Tja … dafür ist das Essen ok, auch wenn man den Nachschlag bezahlen muss.

Bilanz: 15,2 km und 970 Höhenmeter (das war angeblich der Ruhetag)

3

 

21. Februar 2019 – Lemminge in der Pulverfalle, oder: Such die Zirpe!

Der Tag beginnt mit Sonnenschein und die Tourenbeschreibung klingt verheißungsvoll. Die Etappe wird als Feuerwerk aus Panorama und Abfahrtsgenuss beschrieben – sofern man "DIE" für die Abfahrt richtungsweisende Zirpe findet. Aha. Die Beschreibung ist ca. 10 Jahre alt und wir hoffen, dass der Baum noch steht!

Motiviert starten wir zum Gerstinger Joch (=Berg mit 2.043m). Der Weg führt uns bereits beim Aufstieg durch landschaftlich eindrucksvolle Hänge, wir steigen durch tief verschneite, glitzernde Schneeflächen. Mein Händi glüht vom vielen Knipsen und zur Mittagspause zaubert Paul eine Flasche (kaltes – brr) Bier als Belohnung für Mike hervor. Es ist so sonnig, dass wir permanent Sonnencreme nach- und Kleidung ablegen. Der Weg schlängelt sich gekonnt um einige Hügel. Bei Nebel hätten wir diesen Pfad niemals gefunden! Schließlich erreichen wir eine Hochebene, vor uns thront eine imposante Felszacke, die vorhandenen Spuren teilen sich.

Stephan wählt den steilen (anscheinend kürzeren) Pfad aufs Gerstinger Joch. Die schwitzende Gruppe schlurft murrend hinterher. Wir turnen mit unseren Ski zwischen Harsch, Gras, Heidekraut, Steinen und schließlich mal wieder Stacheldraht herum. Nur beherzte akrobatische Einlagen verhindern Verletzungen und manch einer trägt die Ski gleich.

Nachdem wir den letzten Stacheldraht überklettert haben, stellen wir fest: Das Gerstinger Joch ist "der andere Berg" und wir sind in einer steilen Sackgasse! Glücklicherweise können wir über einen kleinen Bergschrund auf den "echten" Weg zurück rutschen. Doch wie immer: Kaum ist der Gipfel erreicht, sind alle Strapazen vergessen. Während ich mich wieder an Fotos vor allem vom großartigen Großen Rettenstein gegenüber versuche, werden die Abfahrtsoptionen in Augenschein genommen.

Die "einschlägige" Zirpe ist schnell identifiziert. Sie sitzt etwas unscheinbar auf einem Felsen in der Nordwand. Ehrlich? Nordwand? Ich hätte schon einen eindrucksvolleren Baum erwartet, doch man kann nicht alles haben. Dafür glitzern rund 350 Höhenmeter feinster, nahezu jungfräulicher Powder.

Etwas zaghaft queren wir im tiefen Schnee in die Wand hinein, dann kurvt einer nach dem anderen begeistert die Fläche hinab. Ich muss zugeben, "Feuerwerk" ist nicht ganz falsch und betrachte meine Spur, die ich formschön und ohne Sturz in den Schnee gezogen habe. Als alle unten in der kleinen Senke stehen … tja … stellen wir fest, es gibt keine weiterführenden Spuren, dafür eine Aufstiegsspur. Wir wälzen Karten, Kompass, Händis – das Ergebnis bleibt das gleiche: Wir sind wie die Lemminge in die Pulverfalle getappt! … und die Zirpe? Naja, bei genauerer Betrachtung steht so ziemlich auf jedem Felsen im dem Kessel eine Zirpe!

Paul stellt sich als erster der Realität und fellt auf. Susan und ich stapfen hinterher. Schließlich folgen alle anderen. Auf weitere Abfahrt ein einem "Kampfwald" hat keiner Lust. Die rund 300 Höhenmeter, die wir wieder aufsteigen müssen, sind schnee- und lawinentechnisch auch nicht gerade Plaisir und so sind wir froh, als wir wieder auf dem Südrücken vom Gerstinger Joch stehen, leicht unterhalb des Gipfels. Wir grinsen: Die Abfahrt war es dennoch wert, und:

Ein Stück oberhalb thront auf einem Felsen eine wahrlich prächtige, große, beeindruckende Zirpe …

Dann folgt tatsächlich die angekündigte unglaublich lange und schöne Abfahrt über weite Wiesen. Zum Schluss wird es eine Art Wasserski, doch auch das macht noch ordentlich Spaß!

Bei Sonnenuntergang erreichen wir die Oberlandhütte. Das Abendessen verschlägt uns die Sprache: Es gibt pro Person drei Kroketten und zwei Scheibchen Kasseler. Der Nachschlag besteht aus genau einer Krokette pro Person! Das kann auch kaltes Bier nicht wettmachen. Die Oberlandhütte kommt essenstechnisch zumindest auf meine Blacklist.

Bilanz: 15,5 km und 1.350 Höhenmeter (spätestens an der Stelle wird jedem klar, dass vier Kroketten pro Person einfach zu wenig sind!)

4

 

22. Februar 2019 – Gefühlter Gipfel

Es konnte ja nicht so weitergehen! Jeden Tag Sonne wäre wohl zu viel verlangt gewesen. Wir stehen im strömenden Regen vor der Hütte. Ätzend ist gar kein Ausdruck.

Irgendwann sehen wir ein, dass es nichts nützt, auf ein Wunder (oder drei Grad Ceslius weniger) zu hoffen und schwimmen los. Wir schätzen, dass nach rund 350 Höhenmeter der Regen in Schnee übergeht. Schweigend platschen wir über den nassen Untergrund. In Gedanken gehe ich eine Liste von den Dingen durch, die auf gar keinen Fall nass werden dürfen … Ergebnis: irgendwie eigentlich "alles".

Das Ziel für heute ist der Schwarzkogel (2.030m). Nach einer Stunde geht der Regen in Schnee über und wir stehen im Schneetreiben und im dichten Nebel. Man kann keine 15 Meter weit schauen. Wir flüchten uns zur Lagebesprechung in einen Schafstall und zum ersten Mal brauche ich wirklich die Daunenjacke (YES: Nicht umsonst mitgeschleppt).

Schnell wird klar: Schwarzkogel ist bei diesem Nebel nicht zu machen. Für den Gipfelaufschwung braucht man auch mit Blick auf den gerade fallenden Neuschnee gute Sicht. Alternative: Skigebiet.

Begeisterung ruft diese Planänderung nicht hervor, doch die Aussicht, gegebenenfalls im Schneesturm auf einem 2.030m hohen Kogel zu stehen auch nicht. Also tasten wir uns buchstäblich ins Skigebiet vor. Wir steigen die Piste hoch. Der Schnee stollt mächtig an und der Aufstieg wird zum Kraftsport. Gelegentlich kommen uns Skifahrer im Schneckentempo entgegen. Wir begrüßen jeden Einzelnen. Als die Anzahl der Skifahrer zunimmt, ahnen wir, dass wir gleich den Pengelstein (1.938m) erreichen. Dort retten wir uns in den Fresstempel und trocknen ein wenig vor uns hin. Ich gebe gefühlt einen halben Monatslohn für Cappuccino, Schokolade und Suppe aus.

Ins Tal nach Aurach nehmen wir dann die Skiroute, auf der wir uns von Markierung zu Markierung arbeiten. Nachdem wir die furchteinflößende Nebelsphäre verlassen haben, fährt es sich auf den Wiesen mit der pappigen Neuschneeauflage gar nicht mal so schlecht. Irgendwann stehen wir in Aurach, dort wartet auch gleich ein Taxi – leider nicht auf uns.

Wir traben also mit Ski an den Rucksäcken im Regen in den Ort, durch den Ort und schließlich zum Weg auf die Bochumer Hütte (Kelchsalm). Der allseits beliebte Gegenaufstieg von rund 600 Höhenmetern winkt. Wir stapfen entschlossen los (nachdem wir noch einmal Schokolade nachgelegt haben). Stephan versucht sich als Schlittenhund, in dem er seinen Rucksack auf einen der bereitstehenden Schlitten schnallt. Naja: Bequem sieht anders aus.

Zwischendurch überholt uns der Skidoo der Hütte, ignoriert unser Winken (wenigstens die Rucksäcke …) und bleibt prompt schimpfend in einer Schneewehe stecken. Wir werden immer schneller und nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir die Hütte: Groß, freundlich, warm (… und für die, die wollen: Kaltes Bier).

Der Schlafraum ist gerade so spärlich beleuchtet, dass man nicht gegen die Pfosten rennt. Doch die "Nudelparty" beim Abendessen macht mangelndes Licht mehr als wett. Stefan verspeist vermutlich allein ein Kilogramm Spaghetti. Während wir uns durch die Nudelberge arbeiten, trocknen die Dinge auf dem warmen Ofen hinter mir, die eigentlich nicht nass werden sollten (also irgendwie alles).

Bilanz: 21,8 km und 1.650 Höhenmeter (im Regen)

5

23. Februar 2019 – Königsetappe, oder: Wir sind spontan!

Vor der Bochumer Hütte lacht der Neuschnee. Bestimmt 20cm frischer Schnee glitzert in kalter Sonne friedlich vor sich hin. Vor uns liegt die Königsetappe der Durchquerung – es ist ein ambitioniertes Auf und Ab durch den Wildalmgraben bis nach Fieberbrunn geplant. Als Zwischenetappen sind Hahnenkampl (Aussicht), Hochwildalm (Bier … oder so), Bischofsjoch (gegebenenfalls gefährlich) und schließlich Niederer Mahdstein (1.899m) geplant. Mein Händi meint: Luftlinie 11,9km, doch das sagt über den Weg zu einem Ziel, das hinter zwei Bergkämmen liegt noch rein gar nichts aus.

Wir spuren erst einmal kraftraubend durch den tiefen Schnee zum Hahnenkampl. Wäre die Landschaft, die sich uns bietet, ein Kunstwerk, hieße es wohl "Berglandschaft unter Neuschnee". Nach rund 360 Höhenmetern und einer Stunde Aufstieg erreichen wir das Hahnenkampl.

Von dort können wir die Süd-Westflanken des gegenüberliegenden Bergkamms, über den der Fieberbrunner Höhenweg verläuft, gut einsehen. Vor uns liegen Großer und Kleiner Gebra, Bischof oder Sonnspitze. Was wir auch sehen können, sind große Anrisskanten von Gleitschneebrettern in den für uns in Frage kommenden Aufstiegsspuren. Die Wärme der letzten Woche sowie der recht schwere Neuschnee von letzter Nacht hat die Lage nicht verbessert.

Die Königsetappe schrumpft in Sekundenschnelle zur Prinzenetappe. Wir planen etwas mürrisch (ich glaube, jeder hatte Bock auf die Königsetappe) um und peilen stattdessen den Gaisberg (1.798m) an. Zunächst fahren wir rund 350 Höhenmeter den frisch verschneiten Nordhang ab. Was soll ich sagen: Unsere Spuren sind perfekt! Dann schlittern wir mehr schlecht als recht rund 2km den Wildalmgraben hinab, da in den tieferen Lagen der Regen vom Vortag zu einer beeindruckenden Eisfläche gefroren ist.

Duzende Skitourengeher kommen uns entgegen, schließlich ist Samstag und die den Wildalmgraben säumenden Gipfel sind beliebte Tourenziele. Dann steigen wir zum Gaisberg auf. Wir rasten an einer kleinen Alm und Stephan zaubert Ferrero Küsschen hervor. Dann wird es warm, wärmer und schließlich heiß, Stephan spurt an der Spitze wie ein Roboter und als ich schon fast nicht mehr weiß, was ich noch ausziehen und/oder öffnen soll, sind wir endlich oben. Der Rest ist fast schon Routine: Gipfelfotos, Schokolade (die letzte!), Abfellen … Pulverrinne suchen.

Stefan und Mike entdecken eine unberührte Nordflanke, fechten wortlos aus, wer der Erste sein darf und schweben in einer Schneewolke hinab. Wir anderen versuchen, das dann nachzuahmen. Der nächste Absatz, Stefan startet als Erster und schlägt einen gewaltigen Purzelbaum, als er die Schneefläche verlässt und der Hang nahtlos in die Eisfläche (Nordhang) aus dem Regen vom Vortag übergeht. Wir sind gewarnt und kratzen klappernd kollektiv auf einer Art Wellblech ins Tal. Ein Stückchen versuchen wir schließlich noch auf dem gut gestreuten Schneerand am Pletzergraben nach Fieberbrunn zu rutschen. Schließlich geben wir auf und bestellen ein Taxi.

Schmutzig, bisschen/ziemlich stinkend und in Skistiefeln checken wir im 4-Sterne-Hotel ein. Die Dame an der Rezeption sagt einen ziemlich guten Satz: "Heute ist Buffet-Abend". Na dann! Die Zeit bis zum Buffet überbrücken wir in der Sauna (eine Dame erteilt uns dort glatt Sprechverbot). Dann essen wir bestimmt zwei Stunden lang und ernten von den Nachbartischen skeptische Blicke. Besagte Dame sitzt am Nachbartisch und zankt mit dem Kellner über Wein. Das passiert uns bestimmt nicht, denn wir trinken Bier. Zumindest die meisten … ich konzentriere ich auf Prosecco und später auf den Nachtisch.

Bilanz: 20,0 km und 1.200 Höhenmeter ("Prinz" halt …)

6

24. Februar 2019 – Zurück auf Los!

 

Naja, was soll ich sagen: Nach ausgiebigem Frühstück (die ruhe- und zanksüchtige Dame vor Vortag lässt sich publikumswirksam vom Kellner beim Stibitzen eines Pausenbrotes erwischen und zankt darüber erneut …) gondeln wir mit dem Bus nach Fieberbrunn "City" und fahren über Wörgl nach Brixlegg zurück zum Ausgangspunkt.

Etwa 18.00 Uhr ist ein Teil der Gruppe in Dresden zurück, der andere Teil ist für eine weitere Woche Schneespaß zur Neuen Bamberger Hütte aufgestiegen.

7.1

 

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