2019 – März – Grundkurs Skibergsteigen

Dieser Kurs richtet sich vor allem an wenig erfahrene Skibergsteiger und vermittelt Basiswissen um einfache Skitouren selbstständig zu ermöglichen. Dazu zählt Planung einer Skitour, Lawinenkunde, Schneedeckenkunde, Wetterkunde, Verschüttetensuche, erste Hilfe, ökonomische und lawinensichere Spuranlage im Auftsieg sowie die Abfahrtstechnik im freien Gelände. Am 24.02.19 geht es los und die Kursteilnehmer treffen sich mit dem Kursleiter Mike Kühnel am Gasthof Wegscheid bei Kelchsau in den Kitzbüheler Alpen.

Tag 1 – Anreise – Gasthof Wegscheid – Neue Bamberger Hütte
4 km | 623 hm | 10 hm | 2 h
Schon die letzten Meter der Anreise lassen dank spiegelglatter Fahrbahn die Spannung steigen. Die ersten Teilnehmer warten im Gasthof bei einer warmen Mahlzeit und Bier bis alle eingetroffen sind. Nach einer Stärkung wird es ernst, der Materialcheck beginnt. Mike kontrolliert die Ausrüstung und das jeder der sieben Teilnehmer sein LVS-Gerät eingeschalten am Körper trägt. Dann geht es los. Die Füße mit den ungewohnten Ski haben durch die eng stehenden Bäume hindurch ihre erste Herausforderung. Von Meter zu Meter lassen sie sich besser kontrollieren und die Vorfreude auf die kommenden Tage wächst. Wir folgen dem Winterweg durch ein schmales Tal, das nach oben hin immer heller und weiter wird. Mit jedem Höhenmeter sieht man die Schneedecke wachsen. Auf 1761 m erreichen wir am späten Nachmittag die gemütliche Neue Bamberger Hütte und fühlen uns alle von Beginn an wohl. Die Zimmeraufteilung ist rasch geklärt und wir beginnen mit dem ersten Theorieteil. Schwerpunkt ist die genaue Auswertung des Lawinenlageberichtes, der Winterhistorie sowie die Planung unseres ersten Gipfelziels, die Aleitenspitze. Anschließend lassen wir bei Abendessen und Bier den Abend im wahrsten Sinne des Wortes ausklingen, da über weite Teile des Abends immer mal wieder ein Gang serviert wird. Dafür jedes mal umso leckerer und die Zwischenzeit füllen wir problemlos mit Geschichten und allerlei Sprüchen. Die Gruppe passt wie die Faust aufs Auge, das steht schnell fest.
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Tag 2 – Neue Bamberger Hütte – Aleitenspitze – Neue Bamberger Hütte
6,6 km | 688 hm | 688 hm | 4 h
Am ersten richtigen Kurstag klingeln um 7:00 die Wecker und wir treffen uns zum Frühstück. Wir stellen fest, dass auf der Hütte Sitzplätze und süßer Brötchenbelag begehrtes Gut sind und beschließen die nächsten Tage den frühen Vogel ernster zu nehmen. Bei traumhaften Wetter starten wir nach erfolgreicher Skischuhsuche und LVS-Check gegen 09:00 mit der Besteigung der Aleitenspitze (2449 m) bei bretthartem Schnee. Der Weg ist gespickt mit Geländebeobachtung und vielen Infos von Mike. 12:00 erreichen wir den Gipfel und genießen das großartige Panorama. Durch die südöstliche Exposition des Abfahrtshanges und strahlenden Sonennschein ist der Schnee oberflächlich angetaut, sodass wir eine erste Abfahrt in weichen Firn bei mäßigem Gefälle genießen. Die meisten unserer Gruppe testen ihre ausgeliehene Ausrüstung und sich selbst im Gelände und bekommen den ersten Eindruck, wie genial es sich abseits des Pistentourismus fährt. Diejenigen aus Gruppe, die dies bereits kennen, schwingen sich wie selbstverständlich auf dem Hang ein. Alle haben ein Grinsen im Gesicht, als wir Mike zu unserem zukünftigen Übungsgelände folgen. Zur Präparierung erteilt uns Mike die Aufgabe, das Areal zu “verwüsten”. Die Ersten beginnen mit der schweißtreibenden Arbeit. Wer keine Lust dazu hat, schnallt sich einen Ski ab und lässt diesen in den nächsten Bach fahren und - fast - davonschwimmen :P Mike rettet die Ausrüstung ganz gekonnt mittel Rebschnur vorm Ertrinken. Das ist ein guter Anlass nützliche Utensilien wie Kabelbinder & Co. vorzustellen (wer weiß wofür man die noch gebrauchen kann…). Ums Hangzertreten kommt trotzdem keiner herum bis das Übungsgelände zur Verschüttentensuche vollständig hergestellt ist. Heute lernen wir systematisch den Hang abzusuchen. Jeder bekommt die Aufgabe, das LVS-Gerät zu finden, das Mike zuvor vergraben hat. Am Abend wird das Gelernte mit Theorie untermauert und die Tourenplanung des nächsten Gipfels, dem Tristkopf (2367 m) als Gruppenarbeit vorgenommen. Das ganze wird natürlich noch mit Bier begossen und durch erlebte Geschichten verfestigt.
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Tag 3 – Neue Bamberger Hütte – Tristkopf – Neue Bamberger Hütte

8 km | 606 hm | 606 hm | 4 h
Frühstück und Start 30 min eher (wegen Sitzplätzen an Marmeladengläsern) und wir machen uns bei Traumwetter auf zum Tristkopf. Die Gruppenführung übernimmt jeden Tag ein anderer Teilnehmer und bekommt so einen extra Einblick in den konkreten Tourenablauf. Mike steht allen Teilnehmern mit Rat und Witz zur Seite und schult mit Fragen und Tipps unseren Geländeblick und die richtige Steigtechnik. Am Übungshang vorbei zum Nadernachjoch sehen wir erschiedene Optionen der späteren Abfahrt. Sich in der Sicherheit eines Anfängerkurses wägend denken wir über die Nordrinne mit ihren über 35 Grad nicht weiter nach (oder doch?). Wir wollen die sanfte Abfahrt wählen und schauen wie wir den Weg von oben finden. Oben angekommen, legen wir die Ski am Skidepot ab, gehen die letzten Meter zu Fuß und genießen das fantastische Bergwetter. Nach der Mittagsrast steht die erste richtige Abfahrt bevor. Nach dem ersten “Mugel” überlegen wir, wo wir am besten weiter abfahren: außen herum kann jeder, Nordrinne schließen wir aus, also schauen wir dazwischen und fahren wir automatisch zur Nordrinne – nur mal einen Blick wagen. Es zaubert sich ein verzücktes Grinsen in einige Gesichter. Dann kommen die Argumente, der Schnee in der Rinne sei so schön pulvrig, der beste Schnee überhaupt, die Schwierigkeit dadurch nicht so hoch, außerdem kann man nur ab einer gewissen Steilheit überhaupt richtig Ski fahren und Ski fahren können wir ja alle und sowieso ist die Rinne die beste Option der jetzt noch möglichen Abfahrten. 2019 Skibergsteigen 3
Also rein in die Rinne, alle auf Skiern, der andere irgendwie. Am Sammelpunkt kommen alle an, vom ohrenbreiten Grinsen bis zum schrillen Lachen ist alles vertreten. Mike ist auch auf seine Kosten gekommen und freut sich über das Gewagte. Er führt uns wieder zum Übungshang. Damit der Adrenalinpegel nicht zu schnell sinkt, wird zwischendurch noch fast ein Ohr verloren. Aber das sieht ja immer schlimmer aus als es ist ;) Heute liegt der Schwerpunkt auf dem richtigen Sondieren und der Schneedeckenbeschaffenheit. Dazu graben wir einen Schneeblock frei und analysieren die verschiedenen Schichten optisch und haptisch. Hieraus lässt sich mit dem Wissen aus den Lawinenlageberichten der Wintersaison sehr gut die Schneedeckenbeschaffenheit analysieren. Wir haben das Glück, ein regelrechtes Musterbeispiel zu finden. Wie im Bild zu erkennnen ist, identifizieren wir eine Schwachschicht, möglicherweise eine Reifschicht. Am Abend folgt dann der Theorieteil zur Schneeanalytik. Und was darf nicht fehlen zum Tagesausklang? Richtig: Bier, gutes Essen und noch bessere Gespräche.

Tag 4 – Neue Bamberger Hütte – Kröndlhorn – Neue Bamberger Hütte
8 km | 683 hm | 683 hm | 4 h
Mit dem Wissen und der gesammelten Erfahrung im Gepäck machen wir uns auf zum Kröndlhorn (2444 m) mit dem bisher anspruchsvollsten Gipfelzustieg. Auch heute handhaben wir es so, dass ein Kursteilnehmer die Tour führt und der Übungsleiter eher kontrollierend statt führend agiert. Der Weg führt uns erneut über das Nadernachjoch hinauf, dann verlassen wir den vom Vortag vertrauten Weg. Am unteren Gipfelaufbau diskutieren wir, welche Aufstiegsvarianten hinsichtlich Lawinensituation als günstig zu beurteilen sind. Jeder darf anschließend seine eigene Steigspur anlegen.2019 Skibergsteigen 4 Oben angekommen sind wir beeindruckt von dem schönen Panorama, dass vom Großglockner über den Großvenediger zum Karwendelgebirge reicht. Die Stimmung ist wie in der gesamten Woche so ungetrübt wie das Wetter und die Vorfreude auf die Abfahrt an sonnenexponierten Lagen haben wir alle gemeinsam. Den Gipfel besteigen wir wieder ohne Ski, alle kommen stolz oben an. Damits nicht langweilig wird wird wieder mal Ausrüstung zum Einsammeln im Gelände verteilt... Heute wollen wir nun wirklich die geplante Abfahrtsroute über die Aufstiegsroute nehmen, so wie wir es geplant haben. Allerdings schien das dann von oben angesichts des schönen Wetters, der niedrigen Lawinenwarnstufe, der so guten Schneeverhältnisse in nordexponierten Lagen wieder viel zu langweilig. Lasst uns doch den Weg über die Streitfeldalm probieren, so flexibel uss man im Gelände schon sein! Als der Großteil der Gruppe schon zum “Schneetesten” abgefahren ist, folgt der Rest. Was folgte war eine richtig gute Abfahrt, die allen Teilnehmern ein Lächeln ins Gesicht gezauberte und unsden versuch wagen lässt, die ersten Zöpfe zu flechten. Das meisterwerk wird noch festgehalten, dann folgt im sicheren Terrain eine weitere Übung zur Verschüttetensuche bei Mehrfachverschüttung. Vor dem Abendessen unterrichtet uns Mike zum Thema Mehrfachverschüttung und wir planen emsig unsere nächste Tour bei einem süffigen Bier. Tag 5 – Neue Bamberger Hütte – Salzachgeier – Neue Bamberger Hütte 9 km | 805 hm | 805 hm | 5 h Für den letzten Tag des einwöchigen Kurses haben wir uns den anspruchsvollsten Berg aufgehoben, den Östl. Salzachgeier (2466 m). Mittlerweile ist der Kurs ein eingespieltes Team, die Aufstiegszeit verfliegt regelrecht. Der Gipfelaufstieg hat es wieder in sich, bietet er statt einer steilen Querung wie am Kröndlhorn oberschenkeltiefe Steigspuren. Oben angekommen erscheint alles wie ein Klacks, es folgen Panorama gucken, Bauch stärken, Nase in die Sonne halten und Pläne für die Abfahrt schmieden. So sieht wohl ein perfekter Skitourentag aus! Die Abfahrt beginnt durch weichen Schnee und um nicht zu perfekt zu sein hält die nächste Kurve eine Überraschung mit anschließender Übungslektion für uns bereit: eine historisch bedeutende Skibindung erreicht ihr Lebensende. Dank der vorhanden Fingerfertigkeiten und des erwähnten Reparaturmaterials gelingt es, die Bindung instandzusetzen und durch skifahrerisches Können nicht nur die Abfahrt zur Hütte, sondern am nächsten Tag sogar die Talbafahrt zu meistern. Zum Abschluss des praktischen Teils gibt es wieder eine Übung, doch diesmal so überraschend wie der komplette Tag. Die Ansage ibevor der Tourenleiter verschwindet ist: Abfahrt in 10 min. zur Hütte und dort Treff zum Bier. Was wir nicht wissen, das Mike einen Lawinenunfall vorbereitet und als verwirrter Teilverschütteter auftreten wird. Das hat die Suche erheblich erschwert und uns gezeigt, was es unter realistisheren Bedingungen bedeutet, die Lage zu checken, Ruhe zu bewahren und eine systematische Suche durchzuführen. Klasse Übung! Der Tag endet wieder mit einer interessanten Portion Theorie und – na ihr wisst schon was auf einer Hütte noch so zum Abend gehört, diesmal sogar inklusive Kartenspiel.
Kerstin Schreiter

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