Freitag Abend auf dem Papst

Text: Magda; Bilder: Una 

Freitag, 10. Mai 2019

Ich sah schon von weitem den Baum, der den Abzweig zur Dessauer Hütte markierte. Ganz am Rand von Papstdorf stand sie, die kleine gemütliche Hütte. Wir bogen in die Straße ein, wo auf der einen Seite ein umzäuntes Gemüsebeet lag und auf der andern Seite eine Wiese, die sich bis zum Horizont erstreckte. Drei Kinder rannten zu uns, sprangen über den Graben, der den

Weg von der Wiese trennte, und als wir aus dem Wagen stiegen, umarmten uns Nova, Lucia und Line. Den Rest des Abends verbrachten wir mit Spielen, Essen, Reden und vielem mehr. Das Haus hatte zwei, eigentlich drei Etagen: unten lagen die Bäder und die Wohnküche, oben waren die Schlafsäle, mit gemütlichen Doppelstockbetten ausgestattet. Eine lange Leiter führte zu einem kleinen Dachboden voller Matratzen. (Schon an diesem Abend lieferten sich die Kinder eine Matratzenschlacht, die erste von vielen.) In der Wohnküche war es sehr gemütlich, zwei lange Tische standen an einer Wand und in der Küchenecke gab es eine lange Theke, die mit all unseren Vorräten zugestopft war. Als wir Kinder endlich im Bett waren, erzählten wir uns noch lange Witze, obwohl Agnes uns schon um Ruhe gebeten hatte.

Magda

 Samstag, 11. Mai 2019

Am nächsten Morgen frühstückten wir gemeinsam an einem der langen Tische und berieten den heutigen Tag. Der Regenradar zeigte, daß es gegen 10 Uhr anfangen sollte zu tröpfeln, und da alle klettern wollten, mußten wir uns beeilen. Zügig waren die Rucksäcke gepackt und wir standen draußen in der Sonne. Wir liefen durch das verschlafene Papstdorf an Hühnern und Schafen vorbei, bis wir zu den Damhirschen kamen, die im Schatten dösten.

Flo bindet die SeSi

Pünktlich um 9:00 Uhr am Felsen angekommen, verloren wir keine Zeit, zogen die Gurte an und teilten uns in drei Gruppen, die drei verschiedenen Wege auf den Papststein erklimmen sollten. Line, Flo und ich kletterten auf den ersten Absatz free solo und sahen Laetitia zu, die von Agnes im Vorstieg gesichert wurde. Tom stand einen Absatz höher und sah Leo zu, der einen Weg weiter rechts kletterte. Ein fetter Regentropfen platschte auf meine Nase, als ich die Hälfte der Schlingen eingesammelt hatte. Ich hing gerade ein Stück über Tom, der immer noch Leo zusah. Als ich oben war, durfte Line leider nicht mehr nachkommen, da es bereits nieselte.

Laetitia beim Vorstieg

Es war kein Gipfel sondern eine Gipfelkette, die Abseilöse war am Hauptgipfel. Kim und Leo saßen schon einen Gipfel weiter, die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Eli und Nova holten noch schnell das Gipfelbuch. Jetzt aber nichts wie runter! „Also ich sehe hier ein, zwei, drei...nein fünf ungesicherte Leute“ sagte eine Stimme vom Nachbarfels. „Sch..! Verrats keinem!“ rief eine andere. Tatsächlich sprangen die Erwachsenen herum und bauten ein Seilgeländer, damit die Kinder sicher zur Abseilöse bzw. zur Abkletter-Schlotte kommen konnten. Endlich standen alle bei der Abseile und bald waren alle sicher wieder unten.

Nach einer Trinkpause unter einem Überhang machten wir uns im Nieselregen auf den Weg zum Gohrisch. Kurzzeitig hörte es auf zu regnen, als wir vom Gipfel wieder runter Richtung Kleinhennersdorfer Steine gingen, wo die Höhlen unser Ziel waren. Die erste Höhle war besetzt, aber in der Lichterhöhle war es geräumig und trocken, hier stelllten wir die Rucksäcke ab und machten Mittagsrast. Una und Laetitia gaben eine kleine Singeeinlage und mit der Zeit hatte jeder einen Ohrwurm davon. Die Lichterhöhle war riesig und mindestens drei Schulklassen passten hinein. Henning, Flo und Line gingen etwas eher zur Hütte zurück, weil ihnen alles zu nass war. Wir andern liefen auch bald los und waren froh, in der Hütte die nassen Sachen ausziehen zu können.

Gruppenbild im Regen

Am Abend trafen Annabell mit Eltern, Lotte mit Familie und Torsten mit seinen Kindern ein. Die großen Kinder beschlossen, nochmal raus zu gehen und Verstecken in der Wiese zu spielen. Aber das war eine dumme Idee, wie sich kurze Zeit später heraus stellte. Das knietiefe Gras war klitschnass und so, wie wir rumgerannt sind, war es kein Wunder, dass nach wenigen Minuten alle Klamotten durchweicht waren. Das Abendbrot war köstlich, Spaghetti mit vegetarischer Tomatensoße. Mit vollen Bäuchen und nach einer Lehr- und Übungsstunde im _Schleifknoten machen_ lagen wir schließlich im Bett. 

Schleifknoten 

Sonntag, 12. Mai 2019

Das Sonnenlicht weckte mich früh, nach dem Frühstück packten wir und putzen ausführlich die Hütte, zusammen ging das schneller als gedacht. Nach einem Abschiedsbesuch bei den Hühnern hinter dem Gemüsebeet ging es los zum Pfaffenstein. Wir liefen eine Weile, bis wir zum unteren Ende der Taubenschlucht kamen. Diese sollte unser Aufstieg werden. Eine lange Kette von großen und kleinen Menschen schlängelte sich die Schlucht hinauf, die steil und voller großer Brocken war.

Taubenschlucht

Hier wurden Rucksäcke hochgereicht, dort kleine Kinder. Endlich standen alle mit Sack und Pack oben, und wir genossen noch einmal die Aussicht in die Schlucht hinab und in die Ferne. Dann stiegen wir ganz hoch zum Plateau an der Barbarine, wo wir eine längere Rast machten. Agnes wedelte mit zwei Schokoladen, und schon waren alle bei ihr. (Das war nur ein Trick, denn dann machten wir Gruppenfotos.) Allmählich machten wir uns auf den Rückweg über den „bequemen Aufstieg“, und nach einer Wanderung durch den Wald kamen wir zum Parkplatz, wo sich unsere Wege trennten. Einige nahmen andere mit, aber eine letzte Umarmung war unvermeidlich. Im Auto dachte ich nochmal über das Wochenende nach: es war wirklich schön.  

Gruppenbild   

Kommentare (0)

500 Zeichen verbleiben

Cancel or