Zufall Geschichte

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Die wechselvolle Geschichte der DAV - Sektion Dresden

Die inzwischen bald 130-jährige Geschichte der Sektion Dresden in allen Einzelheiten nachzuzeichnen, übersteigt den Rahmen unserer Website. Wer sich dafür interessiert, der kann z. B. die Beiträge von Helmut Holdegel und Egon Josef Fais in der Festschrift zum 125. Sektionsjubiläum im Jahr 1998 lesen, die in unserer Geschäftsstelle vorliegt.

 Nachfolgend nun die Sektionsgeschichte in komprimierter Form.

Von der Gründung der Sektion im Jahre 1873 bis zum

Ende des 2. Weltkrieges

1868 wurde in München der Deutsche Alpenverein (DAV) gegründet, dessen wesentliches Ziel die touristische Erkundung und Erschließung der Alpen mit dem Bau von Hütten und Wegen war. Der Wunsch der natur- und berginteressierten Bürger dabei  mitzuwirken war offensichtlich sehr groß, denn 1876 gab es bereits 500 Sektionen des DAV im Deutschen Reich.
In dieser Zeit, genau im April 1873, wurde unsere Sektion gegründet. (Anfangsmitgliederstand: 29) Sie war die erste Alpenvereinssektion in Dresden.  Erster Vorsitzender war Adolf Munkel, der die Sektion 30 Jahre leitete.
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Schon 1874 plante die Sektion einen Hüttenbau in den Tiroler Alpen und bereits am 11. August 1875 konnte die (alte) Dresdner Hütte in ca. 2300 m Höhe am Fuße des Egesengrates in den Stubaier Alpen eingeweiht werden. Sie sollte den Übergang vom Stubaital  ins Ötztal erleichtern. Aufgrund des gewaltigen Touristenansturmes war sie jedoch bald zu klein, so dass sie 1887 durch den heutigen Bau ersetzt werden musste.
Im Zeitraum bis 1900 wuchs die Sektion kontinuierlich weiter. Zwischen 1882 und 1898 wurden vier weitere Hütten in Südtirol und dem Trentino errichtet. (Siehe: Ehemalige Hütten)

  • 1882: Zufallhütte 2264m im Martelltal (Ortlergebiet), heute Rifugio Nino Corsi
  • 1897: Pravitalehütte und Canalihütte in der Palagruppe (Dolomiten), heute Rif. Pradidali bzw. Rif. Treviso in Val Canali
  • 1898: Franz-Schlüter-Hütte 2301m am Kreuzkofeljoch im Villnößtal (Dolomiten), heute Rif. Genova alle Odle oder auch Schlüterhütte.

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Die beiden Hütten in der Palagruppe sollten insbesondere den Felskletterern der Sektion entgegenkommen, die in der Folgezeit bahnbrechend bei der bergsteigerischen Erschließung der Dolomiten tätig waren. Hier sei nur beispielgebend der spätere Sektionsvorsitzende Rudolf Fehrmann genannt. Kletterwege in der Rosengartengruppe, der Brentagruppe und den Sextener Dolomiten sind nach ihm benannt.
Als wichtige Untergruppen bildete sich eine Klettergruppe ("die Falkensteiner") und eine Skiabteilung heraus.

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Neben den Hütten war die Sektion bei der Planung und Errichtung der Wege im Bereich der Hütten aktiv. So entstand z. B. 1905 in der Nähe der Franz-Schlüter-Hütte der Adolf-Munkel-Weg, ein sehr beliebter Dolomiten-Wanderweg am Fuße der Geislerspitzen. Er wurde nach dem verdienstvollen ersten Gründer und langjährigen Vorsitzenden der Sektion benannt.
Nach dem ersten Weltkrieg gab es einen Knick in der bis dahin stürmischen Entwicklung der Sektion Dresden: Südtirol und das Trentino wurden italienisches Staatsgebiet, die auf diesem Gebiet liegenden Hütten des Alpenvereins wurden enteignet. Der Sektion Dresden verblieb nur noch die Dresdner Hütte. Die wirtschaftlich schwierige Nachkriegszeit führte außerdem dazu, dass die Sektionsmitglieder auf die weite Reise in die Alpen verzichteten und sich mehr mit den heimischen Mittelgebirgen beschäftigten.

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1928 wurde dennoch der Bau der Hochstubaihütte beschlossen und mit dem Wegebau  begonnen. Erst 1938 weihten die Sektionsmitglieder die neue Bergsteiger-Unterkunft in den Stubaier Alpen ein: die 3173 Meter hoch gelegene, noch heute bewirtschaftete Hochstubaihütte. Jeder, der schon einmal dort nächtigte, weiß ihre gemütliche Atmosphäre zu schätzen. Wegen der extremen Höhe - sie ist eine der höchstgelegenen Hütten der Ostalpen - war der Betrieb von Anfang an jedoch nicht ganz unproblematisch.

Von 1933 - 1945 war Dr. Rudolf Fehrmann Sektionsführer, wie es im damaligen Sprachgebrauch hieß. Er war eine schillernde Figur: Wie oben beschrieben, war er Erstbesteiger vieler Gipfel in der Sächsischen Schweiz, so auch der Barbarine, und in den Dolomiten. Als Verfasser des Kletterführers der Sächsischen Schweiz, der noch heute als Standard gilt, hat er sich große Verdienste erworben. Er war aber auch Nazi der 1. Stunde und Wehrmachtsrichter. Nach dem 2. Weltkrieg wurde er von der sowjetischen Besatzungsmacht interniert. Er starb 1947 im berüchtigten Internierungslager Fünfeichen.
Den schlimmsten Einschnitt erlebte die Sektion am Ende des Zweiten Weltkrieges und in der ersten Zeit danach. Beim Bombenangriff in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 fiel die Stadt Dresden in Schutt und Asche, viele Bergfreunde fanden den Tod, wichtige Dokumente gingen für immer verloren. Gemäß einem Beschluss des Alliierten Kontrollrates wurde die Sektion Dresden 1946 aus dem Vereinsregister gelöscht und durfte auf DDR-Gebiet auch später nicht wiederbelebt werden.

Die Jahre im „Exil“ in Wuppertal und Böblingen (1953 – 2000)

Die in den westlichen Bundesländern nach dem Krieg allmählich wieder zugelassenen Alpenvereins-Sektionen schlossen sich 1950 zum "Deutschen Alpenverein e. V." mit Sitz in München zusammen.
Auf Anregung des DAV versammelten sich am 22. November 1953 30 Mitglieder der Sektion Dresden, die inzwischen verstreut in der Bundesrepublik lebten. Sie beschlossen, die Sektion Dresden unter Vorsitz des in Wuppertal lebenden Dr. Wolfgang Rössler wieder zu errichten. 1954 wurde die Verlegung des Vereinsitzes von Dresden nach Wuppertal im Amtsgericht Wuppertal-Elberfeld registriert und damit die Identität der neuen mit früheren Sektion anerkannt.
Die Neugründung wird schnell bekannt, und mit Billigung des DAV schließen sich auch Mitglieder anderer Dresdner AV-Sektion der jetzigen Sektion Dresden an, die in wenigen Jahren mehrere Hundert Mitglieder zählt.
Durch den Staatsvertrag von 1955 sind dem österreichischen Staat die früher deutschen Vermögenswerte zugefallen. Dennoch gibt Österreich im Jahre 1956 143 Hütten an die westdeutschen Sektionen zurück. Der Status der Hütten der Sektionen aus Mittel- und Ostdeutschland bleibt ungeklärt.
Die Sektion Dresden, Sitz Wuppertal, kann jedoch einvernehmlich die Verwaltung der Dresdner Hütte am 1. Januar 1956 wieder übernehmen. Der bisherige österreichische Betreuer tritt in der Folgezeit der Sektion bei und gehört als Hüttenwart dem Sektionsvorstand an.
Nach dem Tod von Dr. Rössler im Jahr 1959 wird Dr. Rudolf Gedicke aus Mönchengladbach zum Sektionsvorsitzenden gewählt. Er leitet die Sektion mit unermüdlicher Tatkraft 17 Jahre und macht sich insbesonder um den Ausbau der Dresdner Hütte verdient.
1961 wurde die Hochstubaihütte, die in den Nachkriegsjahren verwüstet wurde, durch einen österreichischen Pächter wieder in Betrieb genommen. Aber erst in den 70er Jahren konnte sie dann durch großes Engement des Vereinsvorstandes schließlich wieder zurückgekauft werden. Seitdem ist die Hütte wieder voll in die Tourenplanung der Sektion einbezogen.
1975 erwirbt die Sektion Dresden die Dresdner Hütte, für die zuvor ein Betreuungsvertrag bestand, käuflich vom DAV als Eigentum. Die Sektion wird schließlich 1978 im Grundbuch eingetragen.
1976 übergibt Dr. Rudolf Gedicke die Leitung der Sektion an Roland Paulick aus Böblingen. Er gewinnt viele neue Mitglieder aus der Böblinger Umgebung. So ist es nur folgerichtig, dass 1979 die Mitgliederversammlung beschließt, den Sektionssitz nach Böblingen zu verlegen, um einen nicht zu alpenfernen Mittelpunkt des Sektionslebens zu schaffen. Die Sektion heißt nun "Sektion Dresden Sitz Böblingen".
In der kleinen schwäbischen Stadt entwickelte sich in den nächsten Jahren ein reges Vereinsleben mit vielen Tourenangeboten, mit Ausbildung und Nachwuchsförderung.
Nach der Grenzöffnung 1989 können auch sächsische Bergfreunde am Sektionsleben teilhaben. So wird zur traditionellen "Sachsensause" auf der Dresdner Hütte im Januar 1990 100 Teilnehmer aus der DDR freie Unterkunft gewährt.
Die Sektion bietet unmittelbar nach der Grenzöffnung Bergfreunden aus der DDR zu sehr günstigen Konditionen eine Mitgliedschaft im Deutschen Alpenverein an. Die Verbindungen nach Sachsen wachsen in den 90er Jahren kontinuierlich. 1996 findet erstmalignach der Wende eine Mitgliederversammlung auf dem Großen Winterberg in der Sächsische Schweiz statt.

Die DAV Sektion Dresden wieder in ihrer Heimatstadt Dresden

(ab 2000)

1997 werden erste Überlegungen laut, den Sektionssitz zurück an die Elbe zu verlagern. Vor allem der Erste Vorsitzende, Ludwig Gedicke, setzt sich als gebürtiger Dresdner beharrlich dafür ein. Schließlich geht alles schneller als erwartet: Im Dezember 1998 bilden die inzwischen rund 220 Mitglieder in Dresden und Umgebung ihre eigene Ortsgruppe, im Juli 1999 gründen die Schwaben eine Sektion Böblingen. Die Sektion Dresden verlegt mit Beginn des Jahres 2000 ihren Sitz in die sächsische Landeshauptstadt. Der Hüttenbesitz wird geteilt, die Hochstubaihütte erhält die Böblinger Sektion, die Dresdner Hütte wird Hüttenbesitz der Sektion Dresden.

Seitdem erweist sich die weitere Entwicklung der Sektion Dresden als Erfolgsgeschichte mit einer stetigen Steigerung in der Mitgliederzahl und ihren Aktivitäten in der Region Dresden und in den Alpen.

Das gemeinsam mit der Sektion Böblingen gestaltete Ausbildungs- und Tourenprogramm umfasst eine große Anzahl von Touren, Veranstaltungen und Kursen. Auch hat sich der monatliche Stammtisch jeweils am 2. Mittwoch fest etabliert.

Nachdem die Sektion Böblingen auch die Verantwortung für die Hochstubaihütte an die Sektion Dresden übertrug, wird das Stubaigebiet in Tirol zum festen Arbeitsgebiet der Sektion. Arbeitseinsätze zur Unterstützung der Hüttenwarte, für die Erhaltung der Hütten und für den Wegebau sind fester Bestandteil des Jahresplanes.

Im Jahr 2005 fasste der Vorstand der Sektion Dresden einen Beschluss für einen größeren Umbau der Dresdner Hütte. Nach umfangreicher Planung und intensivem Baugeschehen konnte im Oktober 2008 die Hütte im neuen Gewand eröffnen.

Zur Mitgliederversammlung 2008 wurde auch ein Generationswechsel in der Führung des Vorstandes der Sektion Dresden vollzogen. Der langjährige 1. Vorsitzende, Ludwig Gedicke zog sich in die zweite Reihe zurück und übergab den Staffelstab an Claus Lippmann.

Ein besonderes Jubiläum konnte die Sektion im August 2008 feiern. Seit 1908 ist die Bewirtschaftung der Dresdner Hütte in der Hand der Familie Hofer aus Neustift, die nunmehr in der 4. Generation auf der Hütte aktiv ist.

Die vielfältigen Interessen der Mitglieder der Sektion Dresden, deren Anzahl zu Beginn des Jahres 2013 ca. 4.500 Bergfreunde verzeichnet, schlagen sich auch in der Gründung von Gruppen nieder. Neben einigen aktiven Wanderfreunden, die sich 2011 in den „Wanderlatschen“ zusammenfanden, organisierten sich die Kletterer zu Pfingsten 2012 als die „Standplatzschlingel“.

Ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Sektion war das Bemühen, gemeinsam mit den anderen beiden in Dresden ansässigen Alpenvereinssektionen ein DAV-Kletterzentrum zu entwickeln und zu betreiben. Die zeitweise mit viel Zeitaufwand und Kosten betriebenen Aktivitäten führten leider nicht zum gewünschten Ergebnis. Das eigene Projekt musste daher aufgegeben werden. Stattdessen hat sich seit 2012 kontinuierlich eine Kooperation mit dem Dresdner Kletterzentrum XXL entwickelt, die unseren Mitgliedern den günstigenZugang zum  Indoor-Klettern ermöglicht.

Der Entwicklung der Alpenvereinshütten im Stubaital galt auch weiterhin das Hauptaugenmerk des Vorstandes. So wurde 2011 erstmalig seit Bestehen der Hochstubaihütte der kurze Sommer genutzt, um mit einem Umbau auch hier sanitäre Einrichtungen und Brandschutz auf aktuelle Anforderungen zu trimmen. Mit Unterstützung des Pächters der Dresdner Hütte gelang es dem Vorstand im Jahr 2012 nach langjährigen Bemühungen, die ehemalige Zollhütte bei der Dresdner Hütte für eine Nutzung als eine weitere Unterkunft für Bergfreunde und Skifahrer zu gewinnen.

Auch die Geschäftsstelle der Sektion Dresden wurde an die ständig steigenden Anforderungen angepasst. Anfangs in einer kleinen Büroeinheit in der Dresdner Friedrichstadt, dann über einige Jahre im Souterrain eines Hochhauses verfügt die Sektion seit Mai 2012 in der Reitbahnstraße 10 über eine großzügige und freundliche Basis, in der seit Anfang des Jahres 2013 die neue Geschäftsstellenleiterin als erste Angestellte der Sektion die Organisation des Vereinslebens unterstützt.