Skitourenwochenende im Kleinwalsertal – was auf Grund des massiven Wintereinbruches mit tagelangen flockigen Niederschlägen, unglaublichen Mengen an Schnee und der daraus folgenden extrem angespannten Lawinensituation im letzten Jahr ausfallen musste, wird nun um so zielstrebiger umgesetzt.

Dieses Jahr ist es schneemäßig eher das Gegenteil, doch Andreas versichert uns: „Es liegt Schnee im Kleinwalsertal, sogar vor unserer Unterkunft!“

Wir – das sind 8 Personen gleichmäßig verteilt auf 2 Autos – starten am Freitagmittag in Dresden und erreichen gegen 20:00 Uhr recht problemlos das Berghaus Kleinwalsertal, eine Hütte in Selbstbewirtschaftung der Sektion Memmingen im Wäldele bei Hirschegg unterhalb des Hohen Ifen.

2020 01 18 LVS Test

Samstag, 18.01.2020 – Eingewöhnung auf die Latten und an das weißen Pulver

Andreas hatte recht, der Schnee liegt quasi bis vor unserem Bett. So starten wir nach einem gemütlichen Frühstück gegen 9:00 Uhr mit dem LVS-Geräte-Check. Hier und da müssen noch Batterien eingelegt oder der Anschalter gefunden werden, aber grundsätzlich problemlos sind nach kurzer Zeit alle 8 bereit zum Starten ab der Haustür vom Berghaus Kleinwalsertal (1.220m). 

In dem gemächlich ansteigenden langgezogenen Tal kann man sich in Ruhe auf Ski & Felle eingewöhnen, seinen Lauftakt finden. So wird nachgeholt, wozu bisher in Dresden wenig bis keine Gelegenheit war – das Stehen auf den schmalen, ja doch nicht ganz so schmalen Latten.

2020 01 18 Aufstieg zur Huette

Nach 2 Stunden ist die erste urige Alpenhütte – die Schwarzwasserhütte (1.620m) über Melköde erreicht. Schuhe aus, heißen Kakao bestellen, Luft holen und wieder raus in die weiße Pracht, die beinahe beständig, mit einigen kurzen Erholungspausen leise vom Himmel rieselt. Immerhin wird so für eine frische wachsende Schneeauflage auf den stabilen Altschneeuntergrund gesorgt – wir wollen uns gar nicht beschweren!

Weiter geht es Richtung Hählekopf (2.058m). Leider versteckt sich der Gipfel prompt bei unserem ernsthaften Gipfelsturmversuch in dickem Schneegestöbernebel, so dass wir uns ca. auf Höhe von 1.850m zum Abfahren entschließen.

2020 01 18 Gipfelanstieg 01

Will uns das Wetter foppen? Wieder in der Talsenke zurück ist klare Sicht und schon sticht uns der nächste Gipfel in die Augen: der Steinmandl (1.982m). Klar ist, ganz hoch werden wir es nicht mehr schaffen, aber bis in die Gipfelrinne (ca. 1.850 m) steigen wir empor und genießen die Frischschneeabfahrt – Powderalarm. Für mich der erste wirkliche Test. Als relativer Abfahrtsneuling lerne ich heute hier: frischer Pulverschnee tut nicht weh, aber das Aufrappeln ist schwer bis unmöglich. Gut ist und dankbar bin ich, wenn da helfende Hände direkt in der Nähe sind.

2020 01 18 Powderabfahrt 01

Erneuter kurzer Zwischenstopp II mit Apfelstrudel für den Tourenführer in der Schwarzwasserhütte und weiter geht es ins Tal hinab.

Heraussschieben durch die Melköde – im langegezogenen Tal ist es doch gut, wenn man verschiedene Spielarten der Skitechnik beherrscht. Der Skatingschritt „verkürzt“ die Strecke kollosal.

Mit Einbruch der Dunkelheit sind wir an der Hütte zurück, wo das Hüttenleben der Sektion bereits tobt.

Fakten: Berghaus Kleinwalsertal (1.220m) – Schwarzwasserhütte (1.651m) – Richtung Hählekopf (bis ca. 1.850m) – Gerachsattel – Richtung Steinmandl (bis ca. 1.850m – Berghaus Kleinwalsertal; ca. 900 hm

2020 01 19 Waldanstieg 01

Sonntag, 19.01.2020 – Wildes Kiefernhügeltal mit Felsgipfelspitzen

Wieder können wir direkt vom Haus aus in Wäldele (1.220m) starten und steigen durch das Kürental im Wald ohne Spur steil den Berg hinauf. Das Gelände weitet sich, die Baumgrenze lassen wir hinter uns und der Weg geht in ein unübersichtliches weiterhin spurenloses Karstgelände über. Hier kostet uns das Ziehen der ersten Spur und das Finden des Weges Zeit, abgesehen davon, dass es für den ersten ganz vorn unglaublich anstrengend sein muss. 

2020 01 19 Wegsuche im Karstgelände 02

Das Wetter hat sich deutlich gebessert, immer wieder reißen die Wolken auf, kommen blauer Himmel und Sonne zum Vorschein. Die klare Sicht wird allerdings auch immer wieder durch kurzen Schneefall unterbrochen.

2020 01 19 Wegsuche im Karstgelände

Wir steigen weiter in Richtung Gottesackerscharte (1.967m) auf. Inzwischen ist es 14:00 Uhr. So entschließen wir uns zur kurzen Abfahrt in die Talsenke (Abfellen) und Wiederaufstieg (Auffellen) ins gegenüberliegende Skigebiet am Hohen Ifen. Auf dem Weg zur Piste wird noch eine kleiner namenloser Gipfel auf 1.957m eingesammelt. Hier heißt es ein letztes Mal für heute: Abfellen und anschließend ganz entspannte Abfahrt auf der Piste bis zur Unterkunft in Wäldele.

2020 01 19 Blick zum Ifen

2020 01 19 der Bick zurück

2020 01 19 Pistengipfel

Fakten: Wäldele (1.220m) – Gottesackerscharte (1.950m) – Skigebiet Hoher Ifen – Wäldele; ca. 900 hm

Montag, 20.01.2020 – Pistenskitour oder Powderalarm

Heute teilt sich die Gruppe in zwei Teile, die einen nehmen eine anspruchsvollere Tour unter die Latten, die anderen machen Höhenmeter am Pistenrand und tanken Sonnenlicht am Hohen Ifen. Alles trainiert und macht glücklich.

Bei wunderbarem Sonnenschein und blauem Himmel stapfe ich entlang der Piste den Berg hinauf, habe Freude an dem Geschehen auf Piste und komme immer wieder mit netten Menschen ins Gespräch. Sogar ein Gipfelkreuz kann ich heute erobern – das Hahnenköpfle (2.085m). 

2020 01 20 Schneebrücke im Aufstieg

Während ich also auf der Piste Höhenmeter mache, ist für die anderen Gipfeltraum und Powderalarm angesagt.

Sie starten von Baad und steigen bei frostigen -12°C, aber klarem Wetter durch das Derratal zur Güntlespitze hinauf. Die letzten Meter bis zum Gipfel müssen die Ski getragen bzw. am Rucksack verstaut werden. Ein recht schmaler Grat führt bis zum Gipfelkreuz. Als Belohnung wartet oben ein toller Blick auf den Widderstein und die umgebende winterliche Berglandschaft. Die Pulverschneeabfahrt durch ein Paralleltal ist das I-Tüpfelchen der Tour. 

2020 01 20 Gipfelanstieg 03

2020 01 20 Gipfelgrat

2020 01 20 Gipfelglück

Fakten: Baad (2.018m) – Güntlespitze (2.092m) & zurück; 873hm

Dienstag, 21.1.2020 – Riedberger Horn – auch zukünftig ohne Skischaukel weiterhin ein netter Skitourenausflugsgipfel mit „gutem Preis-Leistungs-Verhältnis“ (Zitat Andreas)

Nachdem das große Haus, was wir seit Sonntagabend für uns alleine haben, geputzt ist, alle Fenster geschlossen sind und das Gepäck verstaut ist, stehen wir tatsächlich schon kurz nach 9:00 Uhr startbereit an den Autos. 

2020 01 21 Aufstieg

Es soll noch eine kurze Vormittags- / Mittagstour werden, denn der lange Weg nach Hause steht uns bevor. Ziel ist das Riedberger Horn, ein vorgelagerter Aussichtsberg der Allgäuer Alpen.

Die anstehenden 300 hm sind schnell erledigt. Bei wunderbarem Sonnenschein (ein Segen für die Lichthungrigen...) erwartet uns oben ein gigantisches Panorama auf die gesamten Allgäuer Alpen, welches sich nicht einmal ansatzweise adäquat auf ein digitales Speichermedium bannen lässt.

2020 01 21 Frauen am Gipfelkreuz

Während wir Frauen zur heißen Schoki auf der Sonnenterasse hinabfahren (So schwer ist also zwei Tage alter sonnenbeschienener Pulverschnee?), machen die Männer noch einen wilden Abstecher in den Nordhang und trainieren und perfektionieren beim erneuten Aufstieg ihre Spitzkehrentechnik.

2020 01 21 Männer am Gipfelkreuz

Um 14:00 Uhr treten wir pünktlich den Heimweg an und sind kurz nach 20:00 Uhr alle wohlbehalten wieder in Dresden.

Fakten: Riedberger Horn (1.786m) von Grasgehren (1.450m), ca. 350 hm

Lieber Andreas, vielen Dank für die Organisation des Wochenendes und Deine umsichtige Tourenplanung. Ich bin gern auch im nächsten Jahr wieder dabei!

Agnes

Fotos: Angel Perez Lopez

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