Skibergsteigen in der Wildschönau, 11. bis 18. Februar 2017

Am 11. Februar 2017 starten wir mit besorgt-bangem Blick auf die Schneelage zur Skitouren-Woche in die Wildschönau. In diesem Tal der Kitzbüheler Alpen warten wenigstens elf lohnende Skitouren-Gipfel auf uns.

Die Schneelage vor Ort erweist sich in einer Höhe von rund 900m (Oberau) als hinreichend gut. Das Wetter verspricht in den nächsten Tagen gigantisch zu werden. Sonne und Schnee, YES! Die acht Tourengeher (Mike – als Tourenführer, Susan, Anna, Christoph, Stefan, Thorsten, Eckart und Sophie) bündeln einige der Touren-Gipfel für die nächsten Tage in handliche Doppelpacks und hoffen auf schöne Abfahrten. Die sechs Pistenfahrer diskutieren über die Wahl des ersten Skigebiets.

Tag

Gipfel

Höhenmeter

Entfernung

12.02.2017

(Tag1)

Schwaigberghorn (1.960m)

Breiteggern (1.981m)

1.100 m

13,2 km

13.02.2017

(Tag 2)

Lämpersberg (2.202m)

1.200 m

12,0 km

14.02.2017

(Tag 3)

Gernsattel (1.853m)

Joelspitze (1.964m)

1.100 m

13,1 km

15.02.2017

(Tag 4)

Großer Beil (2.309m)

1.200 m

13,8 km

16.02.2017

(Tag 5)

Breiteggspitze (1.868m)

Wildkarspitze (1.961m)

1.000 m

11,8 km

17.02.2017

(Tag 6)

Feldalphorn (1.923m)

900 m

10,6 km

 Joelspitze k

Tag 1 – Breiteggern und Schwaigberghorn: Die Eingehtour

Der Start holpert zeitlich noch, doch immerhin 10.00 Uhr steigen wir in unsere erste Tour auf das Schwaiberghorn ein. Der Aufstieg ist unkompliziert (nachdem wir auf die richtigen Seite des Bachgrabens geklettert sind). Gegen 12.30 Uhr erreichen wir den Kessel, der von Schwaigberghorn und Breiteggern umrahmt ist. Wir entdecken soliden Pulverschnee am Nordhang des Breiteggern!

14 Uhr stehen wir auf dem Gipfel vom Schwaigberghorn, überwinden den Grat zum Breiteggern und machen uns 15 Uhr zur Abfahrt bereit. Rund 1.100 Höhenmeter Abfahrt liegen vor uns. Der glitzernde Nordhang hält, was er beim Aufstieg versprochen hat, die ersten Zöpfe werden geflochten und sich dann die schneearme Abschlussfahrstraße hinunter gemogelt.

 Grat Schwaigberghorn Breiteggern k

Tag 2 – Lämpersberg-Überschreitung: Pulver und Harsch und Großes Kino

Heute stehen wir 9.30 Uhr auf den Ski und werden etwa 1.200 Höhenmeter über die Baumgartenalm zum Lämpersberg aufsteigen. Bald schon wird klar: Südhang und Sonne – der Schnee macht schmatzende Geräusche. Auf welche Kleidungsstücke können wir eigentlich verzichten? Einige Tourengeher lassen ganz schnell auch ihre langen Merino-Unterhosen im Rucksack verschwinden.

Kurz vor 12 Uhr erreichen wir die Ebene vor dem Gipfelanstieg. Wir erleben neben einem tollen Blick auf das Inn-Tal und die herrlichen Nordhänge des Lämpersbergs auch, wie in einer steilen Schneerinne, ein einzelner Skifahrer von einigem Lockerschnee etwa 20m mitgerissen wird, der sich bei dessen Einfahren dort gelöst hatte. Der Skifahrer kommt mit einem Schrecken davon - wir allerdings auch.

13 Uhr stehen wir auf dem Gipfel. Die sichere Lawinen- und Wetterlage erlaubt nun die Überschreitung. Wir queren in die Nordhänge des Kleinen Beil und finden herrlichen Pulverschnee, der uns kilometerlang in Richtung Trettlalm führt. Das Glück wehrt leider nicht bis ins Tal, denn die letzten rund 300 Höhenmeter brechen wir uns durch dicken Harsch und rutschen beherzt über Brombeeren (rutschen gut) und Blaubeeren (rutschen weniger gut) durchs Gebüsch.

Den Gästen auf der Terrasse der Schönangeralm dürften wir großes Kino geboten haben – diesen Verdacht haben wir zumindest, als wir gegen 15 Uhr dort ankommen und auf den gelungenen Tag anstoßen. Fazit: Auch in Zwieback lässt es sich "fahren".

 Abfahrt Lämpersberg k

Tag 3 – Gernsattel und Joelspitze: Eichkatzerl-Schulung I.

Wir halten den Startzeit und beginnen 9.30 Uhr in Richtung Gern aufzusteigen. Auch heute sind rund 1.100 Höhenmeter geplant. Der Aufstieg führt uns in steilen Spitzkehren durch ein Waldgebiet (wir rätseln schon mal vorsichtig über diesen Teil der Abfahrt) auf den prächtig mit Pulverschnee bedeckten Gern. Von dort queren wir auf die Joelspitze. Kurz vor 14 Uhr stehen wir auf dem Gipfel. Auch dort glitzert ein pulveschneebedeckter Nord-Osthang verführerisch. Wir fahren wieder in Richtung Gern ab, flechten in den nahezu unberührten Hang des Joel unsere Zöpfe und einige erwägen tatsächlich einen erneuten Aufstieg – naja ;) Im Sternboden ziehen wir die Felle wieder auf. Dann nutzen wir diese herrliche Stelle für eine LVS-Übung und graben ein (leider unspannendes) Schneeprofil.

Dann kommt der Plaisier-Teil: Pulverabfahrt vom Gern. Dann kommt der Eichkatzerl-Teil: Wildes Gehopse zwischen Bäumen, Büschen und Baumstämmen (es gab auch Schnee!). Wir stöhnen und ahnen gerade noch nicht, dass das nur die Einstiegsvariante für eine ernsthafte Eichkatzerl-Abfahrt war.

 Aufstieg Lämpersberg k

Tag 4 – Großer Beil: Steil ist geil

Auf dem Programm steht die Königsetappe der Tourenwoche: 1.200 Höhenmeter Aufstieg zum Großen Beil. Wir wählen den schwierigen Aufstieg über den Kastensteig und starten gleich mal etwas früher (9.15 Uhr), der steile Nordhang vom Großen Beil drohnt über uns weckt Begehrlichkeiten. Vorsorglich wird er fotografiert, denn theoretisch (gute Lawinen- und Schneelage) könnte man ja …

Dieses Mal beginnen wir schon eine knappe halbe Stunde nach dem Start mit dem großzügigen Ablegen verschiedener Kleidungsstücke. Dann geht es den Kastensteig hinauf. Stückweise tragen wir die Ski, stückweise arbeiten wir uns in steilen Spitzkehren durch den Wald. 11 Uhr verlassen wir den Steig. Vor uns tut sich ein gewaltiger Kessel auf, der vom Großen Beil, Gressenstein und Sonnenjoch begrenzt wird. Gewaltig ist auch die Sonne! Der weitere Aufstieg ist komplett nach Süden ausgerichtet. Bald schon sehnen wir uns nach kurzen Hosen. Der Schnee ist weich und hinterlässt auf den Ski einen Wasserfilm. Kurz vor 13.30 Uhr stehen wir auf dem Gipfel und erleben gerade noch, wie vier andere Tourengeher mal eben in besagter, steiler Nordrinne verschwinden. Eine Weile beobachten wir den Einstieg kritisch, doch sie kommen nicht zurück! Nun wird ernsthaft diese Abfahrtsvariante diskutiert. Die Skeptiker werden überzeugt, indem sie einige Meter im unhandlichen Schneesulz der Südseite zur Mulde der Nordabfahrt fahren.

Wir stehen beeindruckt vor der Rinne. Die ersten 15 Meter schnallen wir die Ski auf den Rücken und klettern im tiefen Schnee hinab. Der vor uns liegende Hang hat eine Neigung von über 40° und ist mit lockerem Schnee gefüllt. Früher oder später gelingt es allen, ihre Ski wieder an den Füßen zu befestigen. Ein kleines Stück wird noch gerutscht, dann geht es in tiefem Powder hinab in Richtung Tal. Wir treffen uns an einer Kante und freuen uns um die Wette über den Schnee.

Der Plaisier-Teil allerdings endet an dieser Kante: Vor uns liegt ein steiler Absatz mit Schwarzerlenbäumchen und Felsen: Eichkatzerl-Abfahrt II. Gerutsche, Gehopse, Gekratze.

Fast nahtlos folgt ein Labyrinth aus Kiefern und Fichten: Eichkatzerl-Abfahrt III. Wir hopsen als bunte Punkte durch Wald, rutschen durch und schließlich auch wieder raus. Als Belohnung testen wir ab 16 Uhr den Talwirt. Wir sind uns einig: Das Erlebnis wird in dieser Woche nicht mehr zu toppen sein!

 Abfahrt Beil k

Tag 5 – Breiteggspitze, Wildkarspitze: Wer seine Ski liebt …

9.10 Uhr (wir haben das mit dem Frühstück optimiert) starten wir zur Breiteggspitze. Während wir über einen ziemlich vereisten Fahrweg aufsteigen, klebt unser Blick noch mal am Nordhang vom Großen Beil, der gegenüber thront. Heute wird es mit knapp 1.000 Höhenmeter eher ein ruhiger Tag. Bereits kurz nach 12 Uhr stehen wir auf der Breiteggspitze, kaum eine Stunde später auf der Wildkarspitze – ein Gipfelkreuz gibt es dort nicht, dafür aber einen einladenden Nord-Westhang mit dickem (klar!) Pulverschnee. Wir fahren in den Hang ein, neidische Blicke zweier anderer Tourengeher folgen uns. An der Breiteggalm wird aus dem Pulver erst Harsch, dann Sulz, dann Wiese – alles schön in der prallen Sonne.

"Oben bleiben!" rufen die Abfahrtspioniere den langsamerer Fahrern zu. Drei Viertel der Tourengeher (Männer) klettern sodann mit den Ski in der Hand durch Büsche und Stacheldraht zu einer respektablen Eichkatzerl-Abfahrt (IV.), die in einer hübschen Wiese zur Schönangeralm mündet.

Ein Viertel der Tourengeher (Frauen) entscheiden sich, zur Breiteggalm wieder hochzustapfen und genießen dann den leichten Fahrtwind auf dem Fahrweg ins Tal. Eichkatzerl-Optionen auf dem Weg werden zwar entdeckt, jedoch abgewählt. Am Ende wartet auch hier noch schöner Schnee auf einer Wiese.

Auf der Terrasse der Schönangeralm schließen wir dann bei Getränken Wetten darüber ab, ob die Sonne genau im Gipfelkreuz vom Großen Beil unter geht oder nicht. Was für ein Luxus!

 Breiteggspitze k

Tag 6 – Feldalphorn: Schnee von allen Seiten

Beim Start 9.20 Uhr ist es noch trocken. Schneewolken schieben sich jedoch aus dem Norden heran. Deshalb haben wir heute den leichtesten der Wildschönauer Gipfel auf dem Programm. Gerade mal 900 Höhenmeter sollten schnell überwunden und der Gipfel leicht zu finden sein.

10 Uhr beginnt es in dicken Flocken zu schneien. Wir schlüpfen an der Prädastenalm unter und hüllen uns in Hightech-Kleidung. Ab 10.30 Uhr begleitet uns dichtes Schneetreiben auf den Gipfel. Nach einer Mittagspause in einem Schafstall der Vorderen Feldalm stehen wir 13 Uhr auf dem Gipfel, der aus dem "Nichts" vor uns auftaucht. Harsch und Wiese sind mittlerweile von rund 30cm Neuschnee bedeckt. Wir fahren an der Aufstiegsspur über Wiesen durch den neuen Schnee hinab, der etwa 50m lange Eichkatzerl-Teil heute ist kaum eine Erwähnung wert. Schon kurz nach 14 Uhr stopfen wir die nassen Sachen in die Autos.

 

Tag 7 – Skigebiete Schatzberg und Alpbach: Leben neben der Piste

7 Uhr verlassen die Heimfahrer die Ferienwohnung. 8 Uhr starten drei unersättliche Skifahrer noch in einen Pistentag. Wir beginnen im Skigebiet Schatzberg. Dichter Nebel wabert um den Gipfel. Wir fahren einige Male auf den frisch präparierten Pisten, das wird bald langweilig. Zum Glück wird der Nebel gegen Mittag von der Sonne vertrieben. Wir pendeln ins Skigebiet Alpbach. Dort entdecken wir herrlichen Neuschnee neben den Pisten in Nordflanken, auf kleinen Bergrücken und im Wald.

Bis zum Liftschluss 16.30 Uhr haben wir so ziemlich jede interessante Neuschneefläche verspurt, quälen uns eine eisige Kunstschneepiste ins Tal und erreichen um Mitternacht Dresden.

 Pisten und Jenseits k

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