Die Bilanz unserer Tourenwoche im Februar 2018 im Großarltal kann sich sehen lassen. Bei reichlich Schnee planten wir auf sieben Gipfeln der Niedertauern zu stehen, zwei davon erreichten wir fast. Schneespaß gab es an allen Tagen.

Tag

Tour/Ziel

Höhenmeter

Entfernung in km

Erreichte Höhe

18.02.2018

Filzmooshörndl/2.189m

1.500

18km

2.789m

 

Loosbühel/2.049m

   

2.049m

19.02.2018

Frauenkogel/ 2.424m

1.500

13,5km

2.424m

20.02.2018

Kreuzeck/ 2.204m

1.350

15km

2.204m

21.02.2018

Ziel: Spielkogel/ 2.144

1.050

9,5km

~ 1.990m

22.02.2018

Gründegg/ 2.168m

1.100

13,5km

2.168m

23.02.2018

Ziel: Schöderhorn/ 2.475m

1.150

12km

~ 2.100m

 

Summe:

7.650

81,5km

 

Sonntag – Eingehtour mit Doppelspitze

Die "Hausgipfel" Filmooshörndl und Loosbühel versprechen einen gemütlichen Start in die Tourenwoche und erfüllen dahingehend alle Erwartungen. Über einen Tourenbeginn gegen 9.30 Uhr im dichten Schneetreiben kann sich auch der ausdauerndste Langschläfer nicht beschweren. Eine Vielzahl Einheimischer hatte diese Ziele für den verschneiten Samstag ebenfalls ausgewählt – nur waren diese früher unterwegs. So steigen wir in der solide angelegten Aufstiegsspur zunächst zum kecken Hörndl und nach rund 500 Höhenmetern Abfahrt noch einmal rund 350 Höhenmeter zum Loosbühel auf.

Der Weg zurück führt über ausgedehnte Wiesen im dicken Pulverschnee, dem unvermeidlichen Wald-Teil ("Eichkatzerl-Abfahrt") und weiter unten in trägem "Gummischnee" zurück. Die bewirtschaftete Loosbühel-Alm lassen wir praktisch rechts liegen – vielleicht haben wir sie auch zu spät entdeckt …

18

 

 

Montag – Frauenkogel: Den Pulverschnee beim Schopfe packen!

Der Montag soll der beste Tag der Woche zu werden. Deshalb peilen wir den eindrucksvollen Frauenkogel an (bei einer Frauenquote von 3/8 durchaus ein sinnvolles Ziel). Dieser lockt bereits aus der Ferne mit seiner gigantischen und ausladenden Ostflanke und darauf mit rund 1.000 Höhenmetern Abfahrt in bestem Pulverschnee bei einer skifahrerfreundlichen Neigung von rund 30 bis 35°.

Die Sonne lacht. Wir starten motiviert (zumindest, nachdem wir Mikes Bus aus einer Schneewehe ausgegraben haben). Eine nette Steigspur im Hang verführt uns, diese gleich zu nutzen und so landen wir nach recht akrobatischem Gequere und Gesteige durch einen märchenhaften Winterwald auf einer Fahrstraße – leider etwas südlich von unserer geplanten Tour. Der Lagecheck ergibt: Wir brauchen eine Brücke über einen Bach. Doch "DIE" Brücke ist weiter nördlich und leider auch rund 100 Höhenmeter weiter unten.

Ganz im Sinne von "Der Weg ist das Ziel" rutschen wir beherzt bis zur Brücke hinab. Das Schild, dass die Skitour auch durchaus anders herum und mit weniger Höhenverlust möglich gewesen wäre, entdecken wir zum Glück erst auf der Abfahrt – damit bleibt die "Meuterei auf der Fahrstraße" zunächst aus, die Führer des Tages kommen somit ungeschoren davon.

Nach der Mittagsrast an einer sonnenüberfluteten Alm steigen wir noch rund 800 Höhenmeter zum Gipfelkreuz auf – was für eine Schinderei! Als der Hang aufsteilt, bauen wir Entlastungsabstände ein und kämpfen uns den Berg Meter für Meter nach oben. Die letzten, sehr steilen Meter Gipfelanstieg fordern noch einmal richtig, permanent rutscht man im zerwühlten Schnee mit den Ski weg.

Dann glitzert die prächtige Flanke in der Sonne und wir sind schneller wieder unten, als wir "Powder!!!"unter die Bilder ins Händi tippen können. Den Purzelbaum des Tages schlägt Susan. Mit einer beeindruckenden Seitrolle ohne Skiverlust schlägt sie kurz vor einem Sammelpunkt im Pulverschnee ein – noch Sekunden später rieseln kleine Eiskristalle zurück auf die Oberfläche.

Mike, Stephan und Stefan beenden den Tag mit einem Wettrennen auf dem Fahrweg ins Tal. Das Verschrecken von ein paar langsamer abfahrenden Tourengehern wird dabei in Kauf genommen. Zum Leidwesen der Beteiligten, findet sich auch heute keine nette Einkehr.

Dienstag – Es lebe die Variante!

Mit dem Kreuzeck soll es heute eine ruhige Runde werden. Das klappt rund 100m bis zur ersten Wiese, dort stellen wir fest: Harsch. Also steigen wir die zum Teil brettharten Wiesen und Wege auf. Höhemeter für Höhenmeter wird der Schnee weicher. Als es schließlich zu schneien beginnt, verzeichnen wir erste Verluste: Eckart und Petra brechen die Tour nach der Mittagspause ab.

Wir gehen weiter und der Winterwald gewinnt an Kontur. An einer kleinen Schneise kommt uns ein ambitionierter Abfahrer entgegen gebraust. Kurz darauf stellen wir fest, er war nur die Vorhut. Wie in einem Computerspiel poppen zwischen den Bäumen knallbunte Skifahrer auf und sammeln sich auf einer kleinen Ebene. Am Ende sind es fast 20 – im einsamen Großarltal rekordverdächtig. Schelmig grinst uns der Tourenführer der Horde an. "Wir haben alles verspurt!", ruft er glücklich und springt beherzt in ein weiteres unberührtes Stückchen Schnee. Dann ist er weg und kurz darauf auf der Rest der Gruppe.

Etwas verblüfft starren wir den Skifahrern hinterher, dann steigen wir schmunzelnd weiter auf – wohl wissend, dass wir ja eigentlich an ganz anderer Stelle wieder abfahren werden.

Wir gelangen in einen großen Kessel, die Sicht ist durch Schneefall etwas getrübt, doch ab und zu erahnen wir das Gipfelkreuz. Oben planen wir bei Milka-Erdnuss-Karamell unsere Variantenabfahrt, die zunächst mit einem Slalom um kontrastreiche Zaunspfähle beginnt.

Weniger kontrastreich ist ganz offensichtlich eine Wechte. Während wir uns an den Pfählen auf dem Rücken des Berges entlang arbeiten, erhält Stephan die Gelegenheit für einen überraschenden Stunt fünf Meter nach unten. Dank seiner orange-farbenen Jacke für alle gut beobachtbar. Definitiv der Sprung des Tages!

Dann stehen wir in einer kleinen Einsattelung. Vor uns liegt ein riesiges Schneefeld. Der Schnee ist in Art und Umfang regelrecht gewaltig, die Purzelbäume hangabwärts häufen sich nun – vor allem bei den Frauen: Der Schnee ist einfach zu gigantisch. Der Purzelbaum des Tages geht an Sophie – ein Überschlag vorwärts ohne Skiverlust mit Landung in Fahrtrichtung.

Die Variantenabfahrt erweist sich als überaus gelungen. Leider endet diese an den verharschten Wiesen und gestreuten Straßen. Mit einer gewissen Faszination kann man zum Schluss die akrobatische Einlage von Anna bewundern, die mit einem Ski am Fuß und den anderen in den Händen die letzten Meter erfolgreich bewältigt. Ein abenteuerlicher Schlussspurt auf was auch immer (es lag auch etwas Schnee darauf) bringt uns zurück zum Bus – und wieder ist kein Wirt in Sicht.

Mittwoch – Einmal ein Schneepflug sein!

Es hat die ganze Nacht geschneit und wir starren eine dick mit Schnee bedeckte jungfräuliche Schneise an. Die "Jugend" muss vor und so beginnt Stefan den Hang zu spuren. Das ist extrem mühsam und je höher wir kommen, umso dicker wird der neue Schnee. Die Anstrengung blenden wir angesichts der zu erwartenden Abfahrtsfreuden aus, wir wechseln uns beim Spuren ab.

Nach Rast ein einer Alm steigen wir noch einige Höhenmeter auf. Rund 200 Höhenmeter vor dem Gipfel müssen wir aufgeben. Das Gipfelkreuz entgeht uns dieses Mal. Vor uns liegt der steile Ostgrat, ein Anstieg darüber ist bei diesen Schneemengen zu gefährlich. Der Westgrat ist stark überwechtet – auch hier wollen wir nichts riskieren.

Beherzt stürzen wir uns in den Powder. Dieser bedeckt mit rund 1.20m den Boden. Praktisch hüfttief sinken wir ein und pflügen in wilden, weißen Schneewirbeln ins Tal zurück. Der Schnee macht unglaublich Spaß. An der Alm erwägen wir kurz, noch einmal aufzusteigen, schließlich ist da Platz für noch viele Spuren. Dann suchen wir uns doch den Weg zurück ins Tal. Es folgen weitere herrlich verschneite Wiesen – der Schneerausch endet an einem Waldrand. Dort gelingt es Mike, den Sprung des Tages einzuheimsen. Die Kante, auf die er sich stellt, um den Weiterweg einzuschätzen, erweist sich dann als doch nicht so ganz stabil. Es folgen sportliche fünf Meter spontane Bergfahrt nach unten in ein mit Baumstümpfen versetztes Waldstück – immerhin, die Richtung hat gestimmt.

Der Eichkatzerl-Teil der Abfahrt beginnt und schließlich finden wir zurück in unsere Aufstiegsschneise. Dieses Mal winkt zwar noch immer kein (Tal)wirt, doch zumindest das Aschaustüberl mit Bier, Cappuccino und Topfenstrudel: Ein Fortschritt.

Donnerstag – Die andere ist die "richtige" Wiese.

Es schneit noch immer. Daher starten wir direkt vom Haus zum Gründegg, einem der Hausgipfel. Der Anstieg ist nicht schwierig und auch nur wenig anstrengend. Ein wenig argwöhnisch schauen wir auf die Sonne, die gelegentlich durch die Wolken blitzt und den schönen, fluffigen Neuschnee in Sekundenschnelle in eine Art unfreundlichen "Gummischnee" verwandelt. Der Anblick der schneebedeckten Bäume, Wiesen und später der Alm im sanften Sonnenlicht jedoch ist atemraubend.

Der Gipfelanstieg zum Gründegg ist windig und die Felszacken in Richtung Norden eindrucksvoll überwechtet. Sanfte Almhügel treffen hier auf bizarre Felsformen. Dann genießen wir die Abfahrt ins Tal. Der Schnee ist tatsächlich etwas schwer geworden.

Eckart, Susan und Stephan gelingt es dadurch, einen fast synchronen Dreiersturz zu zeigen. Der Purzelbaum des Tages geht dabei jedoch an Stephan, der sehr eindrucksvoll einen ausgereiften Rückwärtsflipp darbietet.

Wir enden in einer Eichkatzerl-Abfahrt und später nach zwei Bachlaufüberquerungen mit der Erkenntnis – wir hätten vielleicht doch die/eine andere Wiese nehmen sollen. Am Ende ist es jedoch immer wieder erstaunlich, wo man überall abfahren kann – und viele Wege führen zurück ins Ferienhaus. Einige Tourengeher waren noch nicht ausgelastet und bauten auf der Hauswiese eine kleine Schanze, nun: An den Sprungfähigkeiten muss noch gefeilt werden.

Freitag – Wer nicht wagt … versinkt nicht im Treibschnee!

Wir haben es rausgeschoben und auf geeignete Verhältnisse gewartet. Heute ist der letzte Tag, also werden wir es versuchen: 1.435m Höhenmeter Aufstieg auf das Schöderhorn liegen vor uns und auch der viele Neuschnee der letzten Tage.

Wir hoffen darauf, dass bereits vor uns jemand in die Tour eingestiegen ist und eine Spur angelegt hat. Auf dem Parkplatz vom Talwirt (hehe!) sehen wir eine Gruppe von vier Leuten, die sich in Richtung Schöderhorn auf den Weg macht.

Zunächst können wir eine Fahrstraße nutzen, später nehmen wir die Spur der anderen Tourengeher. Sobald wir den Wald in Richtung Kreealm verlassen, spüren wir den Wind. Es ist kalt und der Wind peitscht uns böig Triebschnee ins Gesicht. Bei einer kurzen Rast an der Alm beobachten wir einige Lockerschneelawinen, die sich donnernd den Weg ins Tal bahnen. Wir ziehen winddichte Kleidung an und gehen in der angelegten Spur weiter. Zielsicher führt diese zur einzigen Brücke über einen Bauchlauf und dann weiter hinauf in den großen Kessel unterhalb der Murwand, oberhalb kann man zwischen den wild dahinziehenden Wolken das Schöderhorn erahnen.

Die Schnee wird tiefer und fester, es an den windabgewandten Hängen und in den Senken hat sich viel schwerer Triebschnee gesammelt. Die Spur der vorherigen Tourengeher ist bereits fast verweht, wir spuren wieder selbst. Oberhalb unser Steigspur reißen Blöcke kompakter Schnee ab und rutschen auf unsere Ski und in die Spur: Triebschnee. Die Hangneigung ist jedoch hier noch zu flach, als dass sich ein größeres Schneebrett lösen könnte.

Plötzlich kommen uns vier Skifahrer entgegen. Es sind die früher gestarteten Tourengeher. Sie berichten, dass es weiter oben noch ungemütlicher wird und halten die Triebschneemengen bei aufsteilendem Hang für gefährlich. Sie haben die Tour abgebrochen und uns ist klar, dass wir das auch tun werden – fragt sich nur wo und wann. Wir gehen also noch ein Stück weiter. Unter der Murwand schleichen wir uns regelrecht vorbei in flacheres Gelände. Der Schnee wird nicht besser und der Wind stärker. Irgendwann sehen wir ein, dass es nicht sinnvoll ist, noch weiter nach oben zu steigen. Es fehlen noch rund 350 Höhenmeter, diese sind heute nicht überwindbar. Wir fellen ab und unsere Felle und Folien flattern dabei fast waagerecht im Wind.

Dann versuchen wir es mit dem Abfahren, doch die Erkenntnis: Auch wenn man nichts tut, sinkt man einfach tiefer und tiefer in den Schnee ein. Der Triebschnee hat ganz offenbar Qualitäten von Treibsand. Mühevoll strampeln wir uns frei. Mike wagt das erste Stück Abfahrt auf eine Kuppe. Sein sonst so eleganter Fahrstil hat deutlich an Überlegenheit eingebüßt und den anderen ist klar: Die Haltungsnote ist zweifellos im A****. Nach und nach gelingt es allen, mehr oder weniger würdevoll die Kuppe zu erreichen. Bleibt man in der Spur der Vorfahrer und zwingt die Ski ganz dicht zusammen, hat man gute Chancen oben auf zu bleiben.

Diejenigen, die in den Schnee einschlagen haben allerdings ernsthafte Schwierigkeiten, wieder aufzustehen. Bereits 20 bis 30cm Schneedecke auf den Skiern zwingen einem zu enormen Anstrengungen, um sich daraus zu befreien. Zumindest wird es nicht langweilig.

Die heikle Passage unter der Murwand passieren wir einzeln. Praktisch jeder nutzt die Chance, sich irgendwie spektakulär in den Schnee zu werfen und braucht entsprechend lang, um sich frei zu strampeln und die Ski zu finden.

Endlich sind wir aus den bösartig, umtriebigen Schneemassen heraus. Wir freuen uns über einige Wiesen mit schönem Pulverschnee und mangels Gipfelerlebnis üben sich Mike und Stefan später im Dachskispringen an der Kreealm. Neben der Fahrstraße gibt es zum Schluss noch den Baumstumpfslalom bei 40° Hangneigung. Den Preis für die beste Action gewinnt an dieser Stelle Anna (wobei auch Stefan und Stephan hier eine ordentliche Leistung gezeigt haben).

Zieleinlauf ist wenig später beim lang ersehnten Talwirt. Dort arbeiten wir uns durch die Speise- und Getränkekarte: Wind macht hungrig!

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