Alpine Ausbildung in unserer Sektion

Nachdem  es 2015 nach einem neuen Konzept einen ersten Basiskurs Alpin - Fels und Eis gab, sollte es dieses Jahr eine Wiederholung geben. Sechs Mitglieder meldeten sich zur Teilnahme an, und mit einem frisch gebackenen Trainer C Bergsteigen als zweiten Kursleiter ging es frisch ans Werk.

Theorie in der Geschäftsstelle an zwei Abenden sowie behelfsmäßige Bergrettung (Spaltenbergung), gehen am Fixseil/Geländerseil und Gratklettern/Standplatzbau wurden vorab im heimischen Mittelgebirge absolviert. Übungsleiter und Gruppe konnten sich kennenlernen und aufeinander einstimmen.

Mit großem Schwung ging es dann am 11.07.17 in den Hochstubai, um das erworbene Wissen und die Fertigkeiten in der Hochgebirgsumgebung zu vertiefen und anzuwenden.

Der Bericht von Uwe Bell gibt detailliert wieder, wie sich die Praxis anfühlte:

" Vom 11.- 16.7.2017 fand unserer Praxisteil des Alpin-Basiskurses im Gletschergebiet der Stubaier Alpen statt. Die Theorie und erste Übungen hatten wir erfolgreich in der Geschäftsstelle des DAV Dresden, bzw. in der Sächsischen Schweiz und im Schwarzwassertal /Erzgebirge absolviert. Unser Kurs bestand aus 6 Teilnehmern und 2 Kursleitern, dem Fachübungsleiter Bergsteigen Falk Klingspor und Trainer C Bergsteigen Thomas Rinkes. Wir trafen uns am 11.7. Vormittags auf der Dresdner Hütte. Antje, Thomas und ich waren schon seit 3 Tagen oben und hatten so genug Zeit uns „warmzulaufen“. Trotz Aufstiegs der anderen ging es nach einer Pause auf den Egesengrat. Anschließend wurde Gehen im Blockgelände geübt. Nicht so leicht, und wenn schon mal ein Stein wackelt, dann aber Gleichgewicht halten und den nächsten Tritt suchen. Die nachfolgende Übung Gehen am Geländerseil beendete ein Regenschauer. Insgesamt hielt das Wetter trotz der trüben Prognosen, und so konnten wir wenigstens meistens bis zum Nachmittag unser Programm durchführen.  

Am nächsten Tag setzten wir zur Müllerhütte um. Eine Tour mit 1300 hm die ca. 8,5h dauerte. Es ging über das Peiljoch, Sulzenauferner, Fernerstube zur Lübecker Scharte. Bis zum Gletscher durften verschiedene Kursteilnehmer die Gruppe führen, um diese Aufgabe zu erlernen. Am Gletscher der aper (schneefrei) war, so dass die Spalten gut sichtbar umgangen werden konnten, ging es erstmals mit Steigeisen voran. Ab der Scharte hieß es Eisen ab und in leichter Gratkletterei ging es zum Rand des Übeltalferners. Es sollte ein Schneehang abgestiegen werden. Falk machte es vor, Schuhspitzen immer nach oben und kam sicher ins flache Gelände. Das so zu wiederholen fiel manchem Teilnehmer nicht so leicht, ist halt Schnee und kein Geröllfeld. Dann ging es zum Schluss in 2 Seilschaften am Rand des Ferners endlich zur Müllerhütte.

Den Schneehang, den wir gestern zum Abstieg nutzten, diente heute zur Übung Sturz-Bremsen im Schnee. Es wurde am Fixseil mit Gurt und Hilfe des Degengriffs nach oben gestiegen. Dann Sturz in den Hang, leichtes rutschen auf dem Rücken, Drehung und in die Liegestützposition begeben. Beine und Arme leicht breit machen und so den Sturz halten. Das ging bei Allen sehr gut, und wurde oft wiederholt. Um Verletzungen zu vermeiden wurde die Übung ohne Steigeisen durchgeführt. Danach ging es in leichter Gratkletterei zum Gipfel des Wilden Freiger (3418m). Leider unser einziger Gipfel bei dem Kurs, doch auch das haben wir gelernt, dass man mit Demut ins Gebirge gehen soll und Besteigungen nicht erzwingen kann. Damit nicht genug: „Wir stiegen wieder ab, teilten uns in 2 Gruppen und liefen am Seil den Übeltalferner hinab." Wir fanden einen geeigneten Platz auf dem Gletscher und so wurden Stände mit T-Ankern und Eisschrauben gebaut. Da noch Zeit und das Wetter stabil war, sollte es den Ferner weiter hinab und nach einem kleinen Aufschwung mit Gegenbogen zur Müllerhütte gehen. Thomas ging mit seiner Gruppe voran. Plötzlich, ohne jegliche Anzeichen, brach Thomas komplett in eine Spalte ein. Mit eigener Kraft und ziehen der Gruppe am Seil mittels Mannschaftszug kam er dann wieder raus. Falk übernahm die Führung, baute Zwischensicherungen mit Eisschrauben und bewegte sich teils auf allen Vieren durch die Spaltenzone, um noch einen Spaltensturz zu vermeiden. So kamen wir dann sicher aus dem kleinen Spaltenlabyrinth zur Müllerhütte. Falk war es auch, der sich abends am Meisten freute, dass mal ein richtiger Sturz bei einem Kurs passiert ist. Alle haben so erlebt, wie notwendig das vermittelte Wissen und die Fertigkeiten sicherer Spaltenbergungstechniken sind.

Freitag machte uns das Wetter einen Strich durch unsere Pläne. Es war Schneeregen, schlechte Sicht und kalt. Das Ziel, auf die Sonklarspitze zu steigen, war aussichtlos. Also wurde in der Hütte Spaltenbergung geübt. Trotz der schlechten Bedingungen gingen wir dann los, und so konnte wenigstens jeder die Spaltenbergungsübung aus allen Positionen auf dem Gletscher durchführen. Ich denke, jeder hat ein bisschen gefroren, und so waren wir froh, uns bei Heidi in der Müllerhütte aufzuwärmen. Für den Rest des Tages mussten wir mal die Füße still halten, und es wurde eben mal gelesen.

In der Nacht hatte es leicht geschneit, und am Morgen stürmte es sehr. Es wurde entschieden, nicht den Grat zum Wilden Pfaff hochzuklettern um dann abzusteigen. Bei Windgeschwindigkeiten um die 100 km/h wäre das viel zu gefährlich gewesen. Wir gingen so den gleichen Weg (Lübecker Weg) zur Dresdner Hütte zurück, aber unter erschwerten Bedingungen. Da es leicht geschneit hatte und z.T. leicht angefroren war, gingen wir bis zum Ende des Sulzenauferners mit Steigeisen. So wurde auch die komplette Gratkletterei bis zur Lübecker Scharte absolviert, was aber alle gut gelöst haben. Während der Tage erwarb jeder Vertrauen zu seinen Eisen. Kaum waren wir in der Dresdner Hütte angekommen, hatte es wieder angefangen zu regnen, wir blieben aber trocken.

Sonntag war dann Abstieg und Heimreise. So ging der Kurs bei einem gemeinsamen Mittagessen in einem Gasthof in Franken zu Ende.

Im Namen aller Teilnehmer möchte ich mich bei unseren Kursleitern Falk und Thomas für das sichere Führen durch die Berge, das mit der notwendigen Geduld vermittelte Wissen und die Mitfahrgelegenheit mit ihren Autos bedanken. Schön waren die kurzen Ansprachen am Ende des Tages, wo der Ausbildungstag kurz ausgewertet wurde."

Hier nun noch ein paar fotografische Impressionen aus dem erfolgreichen Kurs:

Bilder die Lust auf Bergtouren wecken!

Oberer Sulzenauferner vom Peiljoch

 

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Blick zum Becherhaus über den Übeltalferner

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Vorbereitungen:

Alpin anmutender Stand hoch über dem Schwarzwassertal im mittleren Erzgebirge.

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Gipfelfreuden auf dem Großen Katzstein.

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Ein Geländerseil zur Abseilstelle, hier nicht zwingend notwendig - aber eine gute Demo.

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Die Gruppe mit Übungsleiter Thomas Rinkes unterhalb des Egesengrates, Stubai.

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Die Gruppe mit Übungsleiter Falk Klingspor dto.

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Begehen hochalpinen Geländes ohne Seilsicherung ist wohl die wichtigste Disziplin - hier Blockgelände.

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Die Vielzahl an Übungsklettersteigen oberhalb unserer Dresdner Hütte bietet die ideale Möglichkeit das Gehen am Geländerseil zu demonstrieren. Geländerseile sind eine Führungstechnik und dürfen nicht mit einem Klettersteig und dessen Begehung gleichgestellt werden - ein wichtiger Ausbildungsinhalt.

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Nun sind wir endlich richtig unterwegs. Der Lübecker Weg ist Teil des Verbindungsgrates vom Aperen zum Wilden Freiger. Sicheres Begehen der ungesicherten Passagen sowie der drahtseilversicherten Anteile mittels Selbstsicherung konnte hier trainiert werden. Es fand sich auch eine geeignete Stelle für das Gruppenfoto.

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Gehen am Fixseil in ein steilers Schneefeld.

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"Sturz"

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"Bremsen"

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Auf einen Gipfel soll es ja auch mal gehen. Gratkletterei zum Wilden Freiger.

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Freigergipfel.

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Verbindungsgrat vom Wilden Freiger zum Becher (Becherhaus)

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Vom Grat wieder auf den Gletscher. Wenn es steiler wird mit Stützpickel auf den Frontalzacken.

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Spaltenbergung - Trockenübung

Labyrinth01

Spaltenbergung Fels versus Eis

Labyrinth02

Spaltenbergung - Einer muss als Erster rein - in die echte Gletscherspalte.

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An zwei Seilen gesichert eine sichere Übung.

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Sturz halten!

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Seilrollenbergung vorbereiten.

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Und raus aus der Spalte.

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Wieder draußen - auch nicht schlecht.

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Hintersicherung der Übung am Eisschraubenstand.

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Hochgebirge eben! Das Wetter bietet mehr als Sonne. Bei Neuschnee und Vereisung sind Steigeisen und Pickel besser als eine Lebensversicherung. Dieser Zustand ist keine Katastrophe, wenn man das Gehen unter diesen Bedingungen beherrscht.

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Bei schlechter Sicht sind großflächige und auffällige Markierungen oft ein Segen. Die Orientierung sollte aber auch ohne dieses probaten Hilfsmittels niemals abreißen.

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Alle wieder gesund "dor Heeme", wie wir Sachsen "sochen". Abschlussfoto mit Übungsleiter Thomas Rinkes.

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Abschlussfoto mit Übungsleiter Falk Klingspor

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Das Kursziel haben alle erreicht. Auch für die Übungsleiter war der Kurs eine angenehme Bereicherung der eigenen Tourentätigkeit. Auch wir haben uns zu bedanken für die stets aufmerksamen und disziplinierten Kursteilnehmer, welche selbstverständlich auch zum Erfolg beigetragen haben.

Interessenten für eine solchen Kurs 2018 können sich gern schon mal vorab bei mir melden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Falk Klingspor, FÜL Bergsteigen der Sektion Dresden des DAV e.V., Kurort Hartha, den 10.08.2017

 

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